Paula Hawkins – Girl on the train: Du kennst sie nicht, aber sie kennt dich.

Rachel fährt jeden Morgen mit dem Zug nach London und abends wieder zurück. Unterwegs hält der Zug fast immer an der gleichen Stelle an und jedes Mal beobachtet Rachel die Häuser, die dort zu sehen sind. Eines Tages sieht sie jedoch etwas, was sie niemals vermutet hätte und es beginnt eine abenteuerliche, gefährliche Zeit für Rachel.

Als ich das Buch kaufte, hatte es bei 108 Bewertungen durchschnittlich vier Sterne bei Amazon. Darum ging ich fälschlicherweise davon aus, dass mir das Buch ebenso gefallen würde. Wie gesagt, fälschlicherweise. Denn Rachel habe ich als Protagonistin niemals ins Herz geschlossen und welche Intentionen die Autorin mit solch einer Figur verfolgt, ist mir auch unklar. Was mich an Rachel stört? Vieles! Sie hat extreme Probleme mit ihrem Leben, was vielleicht noch zu verschmerzen wäre, wenn sie sich Hilfe holen würde. Stattdessen baut sie ein Lügenkonstrukt um sich herum auf, was zum Scheitern verurteilt ist. Ihre kindische, teils einfach nur nervtötende Art, mit Menschen umzugehen, hat mich stellenweise richtig wütend gemacht. Immerhin – sie hat Emotionen hervorgerufen!

Die anderen Charaktere waren dagegen schon interessanter, allerdings allesamt mit mehr oder weniger tiefen seelischen Abgründen. Das Buch wird aus der Sicht verschiedener Personen erzählt, wobei Rachel den größten Teil ausmacht. Diese Aufteilung hat mir gut gefallen, da dadurch mehr Platz für Spekulationen gelassen wird und man die verschiedenen Gedankengänge der einzelnen Charaktere sehr gut nachempfinden kann.

Die Auflösung kam nicht unbedingt überraschend, denn schon vorher hatte ich diese Möglichkeit in Betracht gezogen. Trotzdem war das letzte Drittel der Geschichte in meinen Augen viel stärker als die vorherigen Kapitel. Trotzdem möchte ich das Buch nicht direkt empfehlen. Wer es dennoch lesen möchte, sollte starke Nerven mitbringen und nicht allzu schnell genervt sein von einer Protagonistin, die erst wieder lernen muss, ihr Leben eigenständig zu leben.

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Erscheinungsdatum: 2015
blanvalet Verlag
ISBN: 978-3-7645-0522-6
Preis: 12,99 Euro

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Axel Petermann – Der Profiler: Ein Spezialist für ungeklärte Morde berichtet

Nachdem es eine Weile sehr ruhig um mich wurde – die böse Uni hat mich vom Lesen und vor allem vom Schreiben abgehalten – gibt es nun endlich wieder eine Rezension. 😉 Da ich das Buch allerdings schon vor einigen Tagen beendet habe und seitdem noch einiges an gelesenen Seiten hinzugekommen ist, begnüge ich mich mit einem relativ kurzen Text.

Axel Petermann war Mordkommissar und Leiter der „Operativen Fallanalyse“ in Bremen. Nun ist er im Ruhestand und versucht, mit Hilfe des Profilings ungeklärte Mordfälle aufzuklären. Sein Buch stellt seine Arbeit vor sowie Probleme, die aus der Methodik des Profilings resultieren.

Im Buch werden verschiedene Fälle aufgegriffen, dargestellt und schlussendlich auch aufgeklärt. Ich muss allerdings gestehen, dass ich einen Fall nur quer gelesen habe. Die Details gingen in eine Richtung, die ich nur schwer ertragen kann. Einige mögen es nicht, wenn irgend etwas mit Augen beschrieben wird, ich reagiere etwas empfindlich, wenn es um das Ablösen von Fuß- oder Fingernägeln geht.

Neben der Beschreibung der Fälle wird der Leser in die Welt des Profilings eingeführt. Axel Petermann erläutert ausführlich, worauf es hierbei ankommt und wo die Unterschiede zur „herkömmlichen“ Polizeiarbeit liegen. Mir hat das Buch gut gefallen, weil es eine ausgewogene Mischung aus Wissenschaft und Kriminalfall darstellt. Trotzdem ist der Sprachstil einfach gehalten und man müsste keinen akademischen Abschluss haben, um dem Autoren folgen zu können.

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Erscheinungsdatum: 2015
Heyne Verlag
ISBN: 978-3-453-60359-2
Preis: 9,99 Euro

Robin Jarvis – Dancing Jax: Auftakt

Wörter haben Macht, das weiß jeder, der gerne liest. Doch wie viel Kraft in ihnen steckt, beweist erst „Dancing Jax“. Dieses Buch verzaubert eine ganze Stadt und schafft es, wirklich jeden zu beeinflussen. Der Mathematiklehrer Martin Baxter muss mit ansehen, wie erst die Schule und dann seine eigene kleine Familie zu willenlosen Figuren des Ismus werden. Sein Versuch, die Kleinstadt zu retten scheitert und am Ende bleibt ihm nur ein einziger Mensch, der ebenfalls nicht unter dem Einfluss der Geschichte steht. An dieser Stelle endet das Buch dann auch schon.

Das Buch „Dancing Jax – Auftakt“ lässt mich etwas ratlos zurück. Einerseits ist die Geschichte wirklich innovativ, so etwas habe ich noch nie gelesen. Auf der anderen Seite konnte es mich nicht richtig packen, Spannung und Langeweile haben sich beim Lesen öfters abgewechselt. Darum bin ich mir aktuell auch sehr sicher, dass ich die Folgebände nicht lesen werde. Für mich fehlte der übergeordnete Sinn der Geschichte ein wenig. Natürlich könnte man argumentieren, dass es noch zwei Bände gibt, in denen alles aufgeklärt werden kann, aber schon hier hätte ich mir die ein oder andere Erklärung gewünscht. So bleibe ich mit sehr vielen offenen Fragen zurück und keine davon kann ich mir im Ansatz selbst beantworten. Eine kluge Strategie, um die Leser dazu zu bringen, die anderen Bücher auch zu kaufen – aber so sehr habe ich die Lektüre dann leider auch nicht genossen, obwohl ich gerade den Anfang und ein Stück vom Ende sehr vielversprechend fand.

Schade!

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Erscheinungsdatum: 2012
script5 Verlag
ISBN: 978-3-8390-0134-9
Preis: 14,95 Euro

William C. Dietz – Hitman: Der innere Feind

Agent 47 soll einen relativ einfachen Auftrag erledigen. Mit Betonung auf „relativ“, denn nichts läuft so, wie er es sich vorgestellt hat. Eine Agentin der Puissance Treize ist ihm zudem auf den Fersen und möchte ihn liebend gerne loswerden. Schon bald merkt Agent 47, was es bedeutet, selbst zum Gejagten zu werden und muss alle Register ziehen, um seine Aufträge zu erledigen und sich dabei nicht erwischen zu lassen.

Wer die Computerspiele um Agent 47 kennt, weiß dass er mit äußerster Präzision vorgeht und dabei verschiedene Taktiken anwendet, um unerkannt zu bleiben. Ein großes Plus ist, dass diese Vorgehensweise erhalten bleibt: das Verkleiden, das lautlose Töten, aber auch actionreiche Szenen sind im Buch erhalten und gut dargestell, wie ich finde. Allerdings verleiht William C. Dietz dem Hitman auch eine andere Seite, die ihn menschlicher macht. Er macht Fehler, er hat Spaß an Aktivitäten wie dem Rudern und zeigt manchmal, wenn auch nur kurz, tatsächlich Gefühle.

An manchen Stellen musste ich wirklich lachen, weil es so absurd war, wie viel Agent 47 nicht gelungen ist. Ein undenkbares Szenario in den Computerspielen, wo fast jede Aufgabe elegant gelöst werden kann. Im Buch jedoch muss der Hitman oftmals Pläne ändern, da seine ursprüngliche Vorgehensweise nicht funktioniert.

Das Ende ist wenig überraschend, auch wenn ein zweiter Teil sicherlich gut gewesen wäre, um aufzuklären, was mit der anderen Agentur passiert. Hier und da hätten mir auch ein paar Details mehr sehr gut gefallen. Insgesamt ist es allerdings eine sehr runde Sache und das Lesen hat wirklich Spaß gemacht.

Wer Agent 47 also mag, wird dieses Buch sicherlich ebenso gerne lesen wie ich. Allerdings gibt es natürlich immer wieder Menschen, die den Agenten nur so sehen wollen, wie er in den Spielen dargestellt wird (aktueller Anlass ist der Film über Agent 47, welcher im August erscheint). Wer alles beim Alten belassen will und keine Spekulationen über Gefühle oder die Kindheit des Agenten lesen möchte, sollte dann tatsächlich einfach bei den Spielen bleiben. 😉

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Erscheinungsdatum: 2007
Panini Verlags GmbH
ISBN: 978-3-8332-1459-2
Preis: 9,95 Euro

Dmitry Glukhovsky – Metro 2034

Das Ende der Welt ist längst erreicht, denn eine Atomkatastrophe hat die Menschheit fast vollständig ausgelöscht. In Russland haben sich Menschen innerhalb der Metro verschanzt und versuchen dort, ein halbwegs angenehmes Leben zu führen. Die Umstände sind nicht die besten und zudem wird die Metro immer wieder von Krankheiten und seltsamen Wesen heimgesucht.

„Metro 2034“ ist der Folgeband von „Metro 2033“ und ich muss gestehen, dass ich viel zu lange gewartet habe, bis ich zu diesem Buch gegriffen habe. Keine Ahnung, was ich erwartet habe, wahrscheinlich einen Abklatsch des ersten Teils. Doch Dmitry Glukhovsky hat mit „Metro 2034“ ein ebenso gutes Buch geschrieben wie es ihm bei dem Vorgängerband gelungen ist. Es geht um menschliche Abgründe, Brutalität, Angst und Hoffnungslosigkeit – und trotzdem gibt es hier und dort Gründe, nicht aufzugeben und zu hoffen. Es sind Menschen, die das Gute noch nicht vergessen haben oder daran glauben, dass alle eine zweite Chance erhalten, um Fehler gut zu machen. Es sind Menschen, die einander brauchen, um zu überleben und es sind Menschen, die nicht nur an sich, sondern vor allem an andere denken und so die kleine Welt innerhalb der Metro verbessern.

Mich hat der zweite Teil ebenfalls überzeugt. Es gibt einige spannende Aktionen, bei denen man die Charaktere begleiten darf, aber auch tiefer gehende Gedankengänge, die man als Leser geschildert bekommt. Es ist die richtige Mischung aus Spannung und Tiefgang, was mir immer sehr wichtig ist bei solchen Büchern. Das Ende lässt mich bisher nicht los und ich denke immer noch über das Gelesene nach, was ein gutes Zeichen ist. Das Buch hat mich berührt und tut es immer noch.

Wer „Metro 2033“ gelesen und für gut befunden hat, sollte dieses Buch auch unbedingt lesen!

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Erschienen: 2014
Willhelm Heyne Verlag
ISBN: 978-3-453-31631-7
Preis: 9,99 Euro

Ein neues Buch für einen kleinen (Bücher)Nerd

Vorhin habe ich ein neues Buch aus dem Briefkasten gezogen: „Hitman: Der innere Feind“ von William C. Dietz.

Freunde von Computerspielen dürften sich nun folgende Frage stellen: „Hitman? DER Hitman?“. Und die Antwort ist ja. Es gibt tatsächlich zwei Bücher zu Agent 47, und eines ist nun hier eingezogen. Wie ersichtlich ist: ich bin ein Fan, ein Nerd, ein… egal! Das Buch wird auf jeden Fall bald gelesen und dann gibt es natürlich auch eine Rezension – versprochen!