Henning Mankell – Mörder ohne Gesicht

Mankells Bücher und ich haben bisher keine besonders enge Bindung zueinander aufgebaut. Sein erstes Buch von ihm, was ich vor en paar Jahren las, sagte mir überhaupt nicht zu. Wallander war in meinen Augen ein unfähiger Polizist und wirklich zweifelhaften Charakterzügen, die sich vor allem in seinen unreflektierten und teilweise dumm erscheinenden Aussagen zeigten.
Wie es jedoch so oft im Leben ist, brauchen Menschen und Bücher manchmal eine zweite Chance. Mankells Tod brachte mich dazu, auf einem Bücherflohmarkt ein paar seiner Werke mitzunehmen. Interessanterweise habe ich mit „Mörder ohne Gesicht“, welches Ende der neunziger Jahre erschien, ein Buch gegriffen, was wieder aktuell denn je ist. Und interessanterweise auch der erste Teil um Wallander. Es geht im Buch unter anderen um Asylbewerber, die Unfähigkeit der Institutionen und Organisationen dem Andrang gerecht zu werden sowie Vorurteile und Ängste der Bevölkerung gegenüber Menschen anderer Kulturen. So kann man einen Teil des Kontextes darstellen. Im Vordergrund steht allerdings ein Mord an einem älteren Ehepaar, was auf furchtbare Weise getötet wird. Wallander und die anderen Polizisten müssen alle Kapazitäten nutzen, die sie haben und am Ende hilft ihnen doch nur der Zufall bei der Auflösung.
Wie ging es mir nun also mit dem Buch, könnte man sich fragen. Einerseits hat die Darstellung der Asylpolitik und deren Auswirkungen in Schweden mir gut gefallen. Es ist einfach eine Thematik, die berührt.
Wallander, der Hauptcharakter Mankells, hat mir dieses Mal auch besser gefallen. Vielleicht habe ich mich aber auch einfach mehr auf ihn einlassen können nun, da ich in etwa wusste, was mich erwartet. Stellenweise habe ich mich in seinen Aussagen sogar wiedergefunden. Er wurde in diesem Buch mit seinen Stärken und Schwächen präsentiert, „schonungslos“ könnte man als Schlagwort benutzen, und wirkt dadurch menschlicher, verletzlicher, sympathischer.
Die Geschichte um den Mord des Ehepaars ist tragisch, keine Frage, aber erst durch den persönlichen Kontext Wallanders und der Gesamtsituation in Schweden wird er brisant. Mir hat das Zusammenspiel auf so vielen Ebenen sehr gut gefallen. Mankell verstand es, Stimmungen und Gefühle darzustellen. Und ohne spoilern zu wollen, das Buch lässt mich tatsächlich etwas traurig zurück.
Dieses Werk von Mankell hinterlässt in meinem Empfinden grade wenig Hoffnung, da wenig schöne Ereignisse beschrieben werden. Hier und da blitzt etwas Licht durch den grauen Mantel aus Düsternis, aber die dunklen Farben, in denen das Buch gezeichnet ist, überwiegen.

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Das Buch gibt es als Neuauflage von 2010 (Erstausgabe 1999):

Deutscher Taschenbuch Verlag
ISBN: 3423212128
Preis: 9,95 Euro

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3 Gedanken zu “Henning Mankell – Mörder ohne Gesicht

  1. „Mörder ohne Gesicht“ ist eines der wenigen Mankells, die ich gelesen habe. Leider sind seine Krimis so gar nicht meins. Zu düster und depressiv, ich mag die Stimmung in diesen Büchern nicht. Irgendwie tut mir die nicht gut. Aber die Geschichte an sich hat mich dann dennoch gepackt und fasziniert.

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  2. Pingback: Henning Mankell – Die italienischen Schuhe | buecherlogie

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