Jonas Jonasson – Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand

Selten kaufe ich Bücher, weil so viele in meiner Umgebung davon geschwärmt haben, aber es kommt eben doch hin und wieder vor. So geschehen bei „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“.
Allan Karlsson wird hundert Jahre alt. Doch statt seinen Geburtstag in dem Altersheim zu feiern, in dem er wohnt, steigt er aus dem Fenster und verschwindet einfach. Danach beginnt für ihn eine abenteuerliche Reise.

Ich habe es bereits in einer vorherigen Rezi geschrieben, dass betont humorvolle Bücher nichts für mich sind. Demnach tat ich mich mit „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ zunächst sehr schwer. Viele Wiederholungen bestimmter Details, wie etwa der Aufdruck einer Jacke, waren ebenfalls nicht förderlich.
Doch vor allem die Rückblicke auf Allan Karlssons Leben haben es mir immer leichter gemacht, die Geschichte zu mögen. Es ist eine sehr chaotische Lebensgeschichte, die dort erzählt wird. Und obwohl Allan Karlsson rein gar nichts mit Politik anfangen kann, wird er immer wieder in politische Debatten und Situationen gebracht. Aus vielen kam er nur mit sehr viel Geschick heraus. Und auch seine aktuelle Situation in der Gegenwart ist nur mit viel Geschicklichkeit und der Hilfe seiner neuen Freunde zu lösen. Er wird von der Polizei gesucht, steht unter Mordverdacht und wird zudem von einer räuberischen Bande bedroht. Alles ganz schön viel für einen Hundertjährigen. Da hilft manches Mal nur noch ein Glas Schnaps.
Jonas Jonasson erzählt seine unglaubliche Geschichte mit viel Liebe zum Detail und ich bin wirklich beeindruckt, wie viele geschichtliche Ereignisse er in die Geschichte hat einfließen lassen. Politische Führer aus vielen Ländern werden in die Geschichte verwoben und bekommen einige interessante Charaktereigenschaften.
Nachdem ich mich eingelesen hatte, war es wirklich interessant, Allan zu begleiten. Auch seine Freunde, die er unterwegs trifft, sind sehr unterhaltsam. So trifft man beispielsweise einen Mann, der beinahe alles mal fast zu Ende studiert hätte und der in jeder Situation sehr hilfreich ist.
Alles in allem also eine wunderbar erzählte Geschichte, die sehr einfallsreich ist.

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carl’s books
ISBN: 3570585018
Preis: 14,99 Euro

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Jean- Paul Sartre – Das Spiel ist aus

Was tut man, wenn der SuB groß genug ist? Richtig! Man leiht sich ein Buch der Mitbewohnerin aus. Wobei „Buch“ zu viel gesagt ist, da diese Geschichte nicht einmal 150 Seiten umfasst.
Bei „Das Spiel ist aus“ handelt es sich um ein Buch, an das ich endlich mal wieder ohne eine Meinung herangehen konnte. Ich war einfach nut gespannt, was mich erwartet, und da meine Mitbewohnerin vorab nicht viel erzählt hatte, wusste ich auch nicht, was mich erwartet.

Pierre, ein Revolutionär, und Eve, eine Dame mit hoher gesellschaftlicher Stellung, sterben zur gleichen Zeit. Auf der anderen Seite, der Seite der Toten, begegnen sie sich und verlieben sich ineinander. Beide wünschten sich, dass sie sich im vorherigen Leben begegnet wären. Der Wunsch wird ihnen erfüllt, doch die Vergangenheit der beiden holt sie wieder ein.
Wie geschrieben, handelt es sich um eine sehr kurze Geschichte. Aber dafür ist es eine, die mich sehr beeindruckt hat. Mit wenigen Worten wird eine wahnsinnige Stimmung erzeugt, die manches Mal Gänsehaut hervorgerufen hat. Mir hat die Verknüpfung aus Vergangenheit und Gegenwart sehr gut gefallen. Beides spielt eine ausschlaggebende Rolle für die beiden Protagonisten und beeinflusst ihr Handeln immer wieder. Durch die Beschreibung der Handlungen werden viele Eigenschaften der Charaktere deutlich ohne dass der Autor direkt darauf eingehen muss. Die vermeintliche Gegensätzlichkeit der beiden ist dabei Ausgangs- und Endpunkt der Geschichte.
Zugegeben, normalerweise mag ich keine Liebesgeschichten, aber dies ist keine klassische Geschichte. Ja, es fallen Liebesschwüre und ja, manchmal ist es auch etwas romantisch. Aber dennoch stand für mich die Wortgewalt im Vordergrund. Dass die Geschichte so kurz ist, ist natürlich schade bei so einem Lesevergnügen, aber zu viele detailreiche Verstrickungen hätten der Geschichte nicht gut getan. Es gibt sie also doch: die Geschichten, bei denen weniger viel, viel mehr ist.

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Rowohlt Taschenbuch Verlag
ISBN: 3499100592
Preis: 6,99 Euro

Simon Borowiak – Du sollst eventuell nicht töten: eine rabenschwarze Komödie

Dieses Buch hätte ich wahrscheinlich niemals gekauft, wenn meine beste Freundin es mir nicht fast aufgeschwatzt hätte. Ich mag nämlich eigentlich keine Bücher, die darauf ausgelegt sind, betont lustig zu sein. So was ist in meinen Augen eher nervig als lustig. Aber gut, ich hatte das Buch gekauft, also musste ich es auch irgendwann mal lesen. 😉

Schlomo hilft seinem blinden Freund Mendelssohn, sich in seinem neuen Heim einzurichten. Natürlich trifft man dann automatisch irgendwann auf die neuen Nachbarn. Ritchie, Laura, Katharina und die bezaubernde Marvie haben es den beiden Freunden schnell angetan. Wäre da nicht der äußerst unhöfliche, nervtötende Freund von Marvie. Der ist allerdings irgendwann tot – und damit beginnen die eigentlichen Probleme erst.
Da es sich um eine Komödie handelt, sind die einzelnen Charaktere natürlich stark überzeichnet: Schlomo ist Hypochonder, Mendelssohn ist eine Moralapostel, der ungeliebte Freund von Marvie scheint nur negative Eigenschaften aufzuweisen. Gute Voraussetzungen also, entweder vollkommen zu nerven oder eine lustige Geschichte auszumachen. Ich bin etwas unschlüssig, wie mir die Geschichte gefallen hat. Einerseits war es durchaus amüssant, vor allem Schlomo auf seiner Reise zu begleiten. Andererseits nervte seine teilweise stark asugeprägte Weltuntergangsstimmung etwas auf Dauer. Mir ist bewusst, dass dies durchaus gewollt war, aber wenn man mehr als einmal pro Seite lesen muss, dass er bestimmt in zwei Monaten sterben wird, ist das anstrengend.
Dennoch ist die Umsetzung sehr gelungen, die Geschichte hat einige unerwartete Wendungen zu bieten und einige der Dialoge sind wirklich großartig.
Trotzdem bin ich immer noch kein Fan von Komödien. Dafür kann dieses Buch überhaupt nichts, aber mir sind Geschichten lieber, in denen es Charakterentwicklungen gibt und in denen ein wenig mehr Tiefgrüdigkeit spürbar ist.

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btb Verlag
ISBN : 3442747538
Preis: 9,99 Euro

Michael White – Der Orden der schwarzen Sphinx

Ich bin immer noch fasziniert, mein SuB liegt bei 55 und aktuell schaffe ich es sogar, mal einige ältere Bücher zu lesen. „Der Orden der schwarzen Sphinx“ war jedoch noch gar nicht so lange Teil meines SuB, erst seit letztem September.
In Oxford werden Frauen ermordet und ihnen werden Organe entnommen. In den Körpern werden stattdessen Münzen gefunden. Philip Bainbridge und seine Freundin Laura sind neugierig und stoßen bei ihren Recherchen auf einen uralten Orden, dem schon Newton angehörte. Sie brauchen die Organe für ein uraltes Ritual.

„Der Orden der schwarzen Sphinx“ ist zugegeben kein besonders tiefgründiges Buch, sondern eher schnellebig aunf auf Spannung ausgerichtet. Verstärkt wird dies dadurch, dass die Geschichte zu zwei verschiedenen Zeitpunkten spielt: einmal zur Zeit Newtons und dann rund 200 Jahre später. Mir hat diese Zweiteilung gut gefallen, da der Leser auf diese Weise mehr über den Orden erfährt als Laura und Philip zunächst wissen. Der Nachteil an einer solchen Ausrichtung ist meistens aber, dass Details verloren gehen und die Geschichte recht oberflächlich bleibt. Es werden viele Punkte angesprochen, aber nicht weiter vertieft. So hätten mich die Münzen, die in den Körpern der jungen Frauen gefunden werden, durchaus mehr interessiert.
Neben der eigentlichen Geschichte sind auch die Charaktere eher oberflächlich gehalten. So wird die Geschichte von Laura und Philip immer wieder angesprochen, aber sie hat keine wirkliche Relevanz für die Geschichte. In meinem Empfinden ist dies der Versuch gewesen, ein wenig Tiefe zu schaffen, die allerdings gefühlt ins Leere läuft. Ansonsten erfährt man als Leser relativ wenig über die einzelnen Charakter. Newton wird dabei noch ams meisten Beachtung geschenkt und er wird sehr ausführlich und vielschichtig dargestellt. Wenn auch eher in negativer Hinsicht, viele positive Eigenschaften wurdem ihm auch nicht zugeschrieben.
Die Lektüre hat Spaß gemacht, aber als Leser sollte man nicht zu viel erwarten. Wobei ich gestehen muss, dass mich ein Detail am Ende doch überrascht und gefreut hat. Aber mehr verrate ich an dieser Stelle nicht. 😉

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Knaur Taschenbuch
ISBN: 3426634929
Preis: Gebraucht ab 0,01 Euro

Zu viele offene Rezensionen?

Ich möchte ehrlich sein: ich habe wieder/immer noch sechs (!) offene Rezis und bin aktull unsicher, wann ich die alle verfassen soll. Der Blog ist mir wichtig, aber es gibt immer Dinge, die dann doch vorgehen. Und so schiebe ich meine unfertigen Rezis vor mir her und komme einfach nicht weiter.
Aktuell sind es vier Papierbücher und zwei ebooks, die auf mich warten. Hoffentlich lässt sich morgen was daran ändern.

Kai Meyer – Phantasmen

Es gibt Bücher, die sieht man und man möchte sie eigentlich sofort kaufen. So ging es mir mit „Phantasmen“.
Geister, die an den Stellen wieder auftauchen, an denen sie gestorben sind. Eigentlich harmlose Erscheinungen, die keinem Lebenden etwas tun – bis sie plötzlich anfangen, zu lächeln. Doch das Lächeln erscheint böse und hat zudem ungeahnte Auswirkungen.
Für mich klang es nach einer gruseligen Geschichte und da ich Horror liebe, wollte ich das Buch unbedingt kaufen. Trotzdem hat es bis Mitte diesen Jahres gedauert bis es so weit war.

Rain und Emma sind Schwestern, die ihre Eltern verloren haben und hoffen, durch ein letztes Wiedersehen Abschied nehmen zu können. Rain hofft es vor allem für ihre jüngere Schwester, sie selbst ist zwiegespalten, was sie über ihre Eltern denken soll.
Doch dann treffen sie auf Tyler, der hofft, seine große Liebe Flavie nochmals zu sehen. Schnell wird jedoch klar, dass dieses Treffen gravierende Auswirkungen auf das Leben der Schwestern hat. Denn Tyler erzählt eine unheimliche Geschichte und schon bald stecken die drei bis zum Hals in Ärger.
„Phantasmen“ lässt sich leicht lesen und ist sehr spannend. Wie kommt es dazu, dass die Geister erscheinen? Wieso sind sie plötzlich nicht mehr harmlos? Und welche Vergangenheit hat Rain?
Was wie eine Horrorgeschichte beginnt, wird schnell zu einer actionreichen, schnellebigen Geschichte. Mir persönlich fehlten dabei irgendwann etwas die erhofften Horrorelemente. Ich könnte mir jedoch gut vorstellen, dass das Buch verfilmt werden könnte und sehr erfolgreich wäre.
Kai Meyer schafft es, dass man mitten in der Geschichte steckt und sich so fühlt, als wäre man als Leser live dabei. Trotz einer ereignisreichen Geschichte lässt er auch die Gefühle und Charakteristika jeder Figur niemals aus den Augen. Das Ende der Geschichte wird mit viel Wirbel und Spannung eingeleitet, flacht dann aber irgendwann ab und das Buch endet relativ ruhig, fast unspektakulär. Die perfekte Spannungskurve, könnte man sagen. Und tatsächlich habe ich mich sehr gut unterhalten gefühlt. Allerdings wäre mir eine engere Verknüpfung von Rains Vergangenheit und der Geschichte lieber gewesen. Es gibt einen Bezug, aber der ist so schwach ausgeprägt, dass die ständige Erinnerung an die vergangenen Ereignisse irgendwann wie eine monotone Wiederholung wirkte.

Das Cover das Hardcoverausgabe gefällt mir übrigens ein bisschen besser als das vom Taschenbuch. Das war allerdings nicht der Grund, dass ich das Hardcover gekauft habe. 😉

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Carlsen Verlag
ISBN: 3551582920 (Hardcover) / 3551315213 (Taschenbuch)
Preis: 19,90 Euro (Hardcover) / 8,99 Euro (Taschenbuch)

Subjektiv schlecht empfundene Bücher rezensieren oder nicht?

SAMSUNG

Gestern stieß ich bei Facebook auf eine Diskussion, in der es darum ging, ob man Bücher, die einem nicht gefallen haben, trotzdem bewerten bzw. rezensieren sollte.
Die Argumente waren, dass man einerseits natürlich Meinungsfreiheit hat, auf der anderen Seite wäre es allerdings unfair den Autoren gegenüber, da eine Meinung immer subjektiv wäre. Wahrscheinlich kann man über dieses Thema immer und immer wieder diskutieren. Ich sehe es allerdings so: Ich darf auch eine Rezi über ein Buch schreiben, was mir nicht gefallen hat. Damit möchte ich ja dem Autoren/der Autorin nicht vorwerfen, dass sie sich nichts dabei gedacht hat. Vielmehr ist es ja mein subjektiver Eindruck, den ich dort beschreibe. Kein allgemeingültiges Urteil, das für jeden gilt. Ich lese zum Beispiel seltens Liebesromane. Damit unterstelle ich ja auch niemanden, dass alle Liebesromane schrecklich sind und niemals gelesen werden sollten. Mir persönlich gefällt das Genre einfach nicht.
Ähnlich kann es mit einem einzelnen Buch sein. Was mir nicht gefällt, kann jemand anderem sehr gut gefallen – und das ist doch auch vollkommen in Ordnung! Gerne trete ich auch mit anderen Lesern in Kontakt und diskutiere darüber. Solange man eine Meinung irgendwie begründen kann und nicht nur sagt/schreibt „Das Buch ist doof!“, finde ich das auch okay.
Vor einigen Monaten las ich eine Diskussion, in der es darum ging, ob ein Buch als schlecht empfunden werden kann, wenn einem die Charaktere nicht zusagen. Jemand schrieb, dass eine unhöfliche Figur vom Autor so gewollt sein wird und dass dies kein Grund für eine schlechte Bewertung wäre. An dieser Stelle dachte ich mir, dass das stimmt, aber dass man dort noch mehr beachten sollte. Einerseits kann eine negative Figur durchaus gewollt sein vom Autor und auch einen bestimmten Zweck verfolgen. Andererseits kann ich das Buch ja auf verschiedene Arten lesen: einige lesen ein Buch, da es literarisch wertvoll ist und man sich durch das Lesen bilden kann. Andere möchten abends mit einem guten Buch abschalten und in die Welt eintauchen. Bei letzterem kann es dann sehr störend sein, wenn man einen entsprechenden (Haupt)Charakter nicht mag und dieser immer wieder negativ auffällt. Wer „Die Leiden des jungen Werthers“ liest, um zu entspannen, kann das Gejammer sicherlich auch nerven. Wer das Buch von der anderen Perspektive betrachtet oder es vielleicht sogar in der Schule analysieren soll, wird eventuell weniger genervt reagieren.

Zurück zum eigentlichen Thema, der Meinungsöußerung über „schlechte“ Bücher. Ich bleibe dabei, dass ich auch zukünftig sowohl gute als auch negativere Rezensionen verfassen werde. Meistens kann ich jedem Buch etwas Gutes abgewinnen und werde es auch schreiben.
Beispielsweise habe ich letztes Jahr auch Bücher abgebrochen, da die Rechtschreibung/Zeichensetzung nicht stimmte. Mich persönlich stört so was, andere können vielleicht darüber hinweg sehen. Dann sage ich vielleicht etwas wie „Die fehlende Rechtschreibung/Zeichensetzung störte mich und ich musste das Buch abbrechen, obwohl der Inhalt ansprechend war“. Das mag für eine Autorin oder einen Autoren nicht schön zu lesen sein, aber besser als kein Feedback zu erhalten oder nur geheuchelte positive Kritik, denke ich mir. Nur an fundierten, kritischen Aussagen kann man reifen und sich verbessern. In der Schule/Uni/bei der Arbeit wird jeder von uns sicherlich auch mal kritisiert und daran ist auch nichts Verwerfliches.

Andere Meinungen oder Kritik sind wie immer erlaubt. 😀

Moe Teratos – Mordsucht

Irgendwie werden es nicht weniger Rezis, die auf mich warten. Vor allem finde ich, zwei am Tag zu schreiben, ist schon Arbeit. Und dabei sind meine Rezis nicht mal so allumfassend und ausführlich wie ich sie von anderen kenne.
Nun denn, kommen wir zum Inhalt: Thomas Ratz kehrt nach einem halben Jahr zurück zur Kriminalpolizei und soll für den Anfang mit seiner Kollegin Diana alte Mordfälle unter die Lupe nehmen und schauen, welche man wieder aufrollen könnte. Dabei stößt er auf Fälle eines Serienkillers, der Männer tötet und diese entstellt zurücklässt. Ratz‘ Interesse ist geweckt und er versucht, neue Einzelheiten zu finden und den Täter zu überführen. Diese Aufgabe ist schon nicht leicht, doch auch seine Gefühle und seine Vergangenheit kommen ihm immer wieder in die Quere.

Das Motiv des Mörders in „Mordsucht“ ist sicherlich selten. Seitenlang habe ich mich gefragt, was ihn wohl antreiben könnte und Moe Teratos bringt erst nach und nach Licht in die Dunkelheit. Eine verrückte Geschichte, die jedoch so lebendig und authentisch dargestellt ist, dass man sich gut vorstellen kann, dass so etwas passiert.
Der Schreibstil ist einfach gehalten, was bei einem Krimi allerdings nicht die verkehrteste Wahl ist. Wenn man etwas Anspruchsvolleres lesen möchte, greift man doch eher zu Schiller oder Goethe als zu einem Thriller. 😉
Neben der Geschichte an sich haben mir auch die Charaktere gut gefallen: Thomas Ratz, der etwas verplante, liebenswürdige Polizist, der sein Leben nach Schicksalsschlägen wieder in Ordnung bringen muss. Dann Diana, die sehr vielschichtig ist, obwohl ich am Anfang befürchtete, dass sie mich nerven könnte. Zudem eine Beziehung zwischen den beiden, die das gemeinsame Arbeiten alles andere als einfach macht. Allerdings eine, die so ganz anders ist als man es auf dem ersten Blick annehmen würde.
Das Buch bzw. ebook (es gibt allerdings auch ein Taschenbuch) hat mir gut gefallen. Wie erwähnt, war die Sprache angemessen, die Geschichte gut durchdacht und alle Fäden wurden am Ende miteinander verwoben. Darüber hinaus gab es einige Elemente, mit denen ich nicht gerechnet habe und bei denen der Gedanke „da muss ich wissen, wie es weitergeht!“ aufkam.
Alles in allem handelt es sich um einen soliden Krimi, der ein paar Stunden Lesevergnügen mit sich bringt. Trotzdem wären mir ein paar Details mehr zum Privatleben der Charaktere lieber gewesen. Gut, dazu muss gesagt werden, dass es sich um den zweiten Teil einer Reihe handelt und ich den ersten bisher nicht gelesen habe. Auf amazon heißt es, man könne die Bücher auch getrennt voneinander lesen ohne die anderen zu kennen. Das stimmt, allerdings fehlen dem Leser dann einige Details, die in „Mordsucht“ nur noch angedeutet werden. Es wäre also wahrscheinlich ratsam, den ersten Teil zu lesen bevor man zu diesem hier greift.

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ebook:
ASIN: B00FK4G6YK
Preis: 2,99 Euro

Taschenbuch:
ISBN: 1492811955
Preis: 7,99 Euro

Alexander Hartung – Bis alle Schuld beglichen

Hin und wieder findet man auch unter den ebooks richtige Schätze. Bücher, die über richtige Rechtschreibung und Satzzeichen verfügen. Und die dann auch noch spannend sind! „Bis alle Schuld beglichen“ ist so ein Buch.
Jan Tommen und seine Freundin Betty werden an einem Sonntagmorgen unsanft aus dem Schlaf gerissen: Jan ist Verdächtiger in einem Mordfall! Doch statt in der U-Haft zu landen, flieht er. Mit Hilfe von seinem alten Freund Chandu, der Rechtsmedizinerin Zoe und dem Computerfreak Max will Jan den Fall lösen. Doch es sterben noch mehr Menschen und immer werden Spuren von Jan am Tatort gefunden.
Wer möchte ihm die Schuld in die Schuhe schieben?

Jan Tommen ist kein Charakter, den man einfach so in sein Herz schließt. Er ist impulsiv, denkt nicht groß nach bevor er handelt und hat ein ziemlich loses Mundwerk. Gute Voraussetzungen also, sich immer wieder in Schwierigkeiten zu bringen.
Chandu mochte ich dagegen von Anfang an, auch wenn er anscheinend in sehr düstere Geschäfte verwickelt war und ist.
Zoe ist ebenfalls eine sehr interessante Figur. Was bringt eine im Fall involvierte  Rechtsmedizinerin dazu, dem Hauptverdächtigen zu helfen? Ganz einfach: ihr ist langweilig. Zusammen mit Max, der Technik besser versteht als Menschen, geben die vier einen bunt gemischten Haufen ab.
Die Zusammenstellung und Beschreibung der Personen haben mir gut gefallen. Schade ist allerdings, dass von der Vergangenheit wenig berichtet wird. Zu Chandu wird hin und wieder eine Information eingestreut, die allerdings viel zu oberflächlich ist. Dazu kann man sich als Leser eine Menge denken, aber eine Bestätigung gibt es nicht. Allerdings habe ich gesehen, dass es noch weitere Bücher zur Jan Tommen-Reihe von Alexander Hartung gibt. In denenwerden  vielleicht mehr Details zu den Charakteren und ihrer Vergangenheit preisgegeben.
Mit dem Täter habe ich gerechnet, muss ich gestehen. Nur das „warum“ und die Einzelheiten waren bis zum Schluss unklar. Alexander Hartung hat sich natürlich viel Mühe gegeben, eine falsche Spur zu legen, aber diese war für mich einfach zu offensichtlich. Trotzdem hat mir die Umsetzung gut gefallen. Das Vorgehen der Charaktere ist eine Mischung aus Raffinesse und undurchdachten Handlungen. Dies führt am Ende auch fast zu einer Katastrophe, aber was wäre ein solches Buch ohne eine dramatische Abschlussszene?!

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ASIN: B00INBNO1A
Preis: 4,99 Euro

Andreas Franz – Das Todeskreuz

Wer mich und meine gelesenen Bücher auch über diesen Blog hinaus verfolgen konnte, weiß schon, dass Andreas Franz‘ Bücher lange Zeit ungelesen im Regal standen. Mir haben die ausschweifenden Beschreibungen von Zigaretten- und Alkoholgenuss nicht gefallen. Es wurde einfach viel zu oft erwähnt. Ab irgendeinem Buch wurde es dann besser und in „Das Todeskreuz“ gewöhnt Julia Durant sich das Rauchen sogar ab! Der Alkoholkonsum bleibt, aber es wird nicht mehr auf jeder zweiten Seite erwähnt, wer sich wann ein Bier einschenkt.
Das Buch beginnt damit, dass die ehemalige Staatsanwältin Corinna Sittler tot aufgefunden wird. Alles sieht nach einem Ritualmord aus. Als weitere Leichen auftauchen, die alle mit dem gleichen eingeritzten Kreiz versehen sind, wird klar, dass es sich um den gleichen Täter handelt. Die Frankfurter Polizei um Julia Durant muss mit Peter Brandt aus Offenbach zusammenarbeiten – was dieser nur sehr widerwillig tut!

„Das Todeskreuz“ ist ein typischer Krimi, der durch spannende Elemente und viele teils widersprüchliche, teils versteckte Hinweise überzeugt. Darüber hinaus steht allerdings dieses Mal nicht das Privatleben von Julia Durant, sondern das von ihrem Kollegen Hellmer und dem Offenbacher Kriminalpolizisten Peter Brandt, im Vordergrund. Durants Männergeschichten sind eigentlich ein fester Bestandteil der Bücher von Andreas Franz, umso erfreuter war ich, dass dieses Mal andere Charaktere bzw. deren Leben im Vordergrund standen. Hellmer taucht natürlich öfters auf, ist er doch nicht nur ein Kollege, sondern auch der beste Freund von Durant. Peter Brandt war mir vorher nicht bekannt und seine freche, etwas verschlossene Art hat mir gut gefallen. Die Dialoge zwischen Durant und ihm sind stellenweise sehr humorvoll und haben mich immer wieder zum Grinsen gebracht.
Die Auflösung war für meinen Geschmack zwar gelungen, aber etwas zu dick aufgetragen. Auch wenn es für alles Erklärungen gibt, wirkt es doch etwas hölzern auf mich. Trotzdem ist die Hinführung alles andere als unelegant. Mir hat es gefallen!

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Knaur Verlag
ISBN: 3426634805 (neue Auflage)
Preis: 9,99 Euro