Subjektiv schlecht empfundene Bücher rezensieren oder nicht?

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Gestern stieß ich bei Facebook auf eine Diskussion, in der es darum ging, ob man Bücher, die einem nicht gefallen haben, trotzdem bewerten bzw. rezensieren sollte.
Die Argumente waren, dass man einerseits natürlich Meinungsfreiheit hat, auf der anderen Seite wäre es allerdings unfair den Autoren gegenüber, da eine Meinung immer subjektiv wäre. Wahrscheinlich kann man über dieses Thema immer und immer wieder diskutieren. Ich sehe es allerdings so: Ich darf auch eine Rezi über ein Buch schreiben, was mir nicht gefallen hat. Damit möchte ich ja dem Autoren/der Autorin nicht vorwerfen, dass sie sich nichts dabei gedacht hat. Vielmehr ist es ja mein subjektiver Eindruck, den ich dort beschreibe. Kein allgemeingültiges Urteil, das für jeden gilt. Ich lese zum Beispiel seltens Liebesromane. Damit unterstelle ich ja auch niemanden, dass alle Liebesromane schrecklich sind und niemals gelesen werden sollten. Mir persönlich gefällt das Genre einfach nicht.
Ähnlich kann es mit einem einzelnen Buch sein. Was mir nicht gefällt, kann jemand anderem sehr gut gefallen – und das ist doch auch vollkommen in Ordnung! Gerne trete ich auch mit anderen Lesern in Kontakt und diskutiere darüber. Solange man eine Meinung irgendwie begründen kann und nicht nur sagt/schreibt „Das Buch ist doof!“, finde ich das auch okay.
Vor einigen Monaten las ich eine Diskussion, in der es darum ging, ob ein Buch als schlecht empfunden werden kann, wenn einem die Charaktere nicht zusagen. Jemand schrieb, dass eine unhöfliche Figur vom Autor so gewollt sein wird und dass dies kein Grund für eine schlechte Bewertung wäre. An dieser Stelle dachte ich mir, dass das stimmt, aber dass man dort noch mehr beachten sollte. Einerseits kann eine negative Figur durchaus gewollt sein vom Autor und auch einen bestimmten Zweck verfolgen. Andererseits kann ich das Buch ja auf verschiedene Arten lesen: einige lesen ein Buch, da es literarisch wertvoll ist und man sich durch das Lesen bilden kann. Andere möchten abends mit einem guten Buch abschalten und in die Welt eintauchen. Bei letzterem kann es dann sehr störend sein, wenn man einen entsprechenden (Haupt)Charakter nicht mag und dieser immer wieder negativ auffällt. Wer „Die Leiden des jungen Werthers“ liest, um zu entspannen, kann das Gejammer sicherlich auch nerven. Wer das Buch von der anderen Perspektive betrachtet oder es vielleicht sogar in der Schule analysieren soll, wird eventuell weniger genervt reagieren.

Zurück zum eigentlichen Thema, der Meinungsöußerung über „schlechte“ Bücher. Ich bleibe dabei, dass ich auch zukünftig sowohl gute als auch negativere Rezensionen verfassen werde. Meistens kann ich jedem Buch etwas Gutes abgewinnen und werde es auch schreiben.
Beispielsweise habe ich letztes Jahr auch Bücher abgebrochen, da die Rechtschreibung/Zeichensetzung nicht stimmte. Mich persönlich stört so was, andere können vielleicht darüber hinweg sehen. Dann sage ich vielleicht etwas wie „Die fehlende Rechtschreibung/Zeichensetzung störte mich und ich musste das Buch abbrechen, obwohl der Inhalt ansprechend war“. Das mag für eine Autorin oder einen Autoren nicht schön zu lesen sein, aber besser als kein Feedback zu erhalten oder nur geheuchelte positive Kritik, denke ich mir. Nur an fundierten, kritischen Aussagen kann man reifen und sich verbessern. In der Schule/Uni/bei der Arbeit wird jeder von uns sicherlich auch mal kritisiert und daran ist auch nichts Verwerfliches.

Andere Meinungen oder Kritik sind wie immer erlaubt. 😀

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5 Gedanken zu “Subjektiv schlecht empfundene Bücher rezensieren oder nicht?

  1. Also ich finde, dass man auch subjektiv schlecht empfundene Bücher rezensieren sollte. Man kann ja nicht alles nur gut finden und Kritik (egal ob negativ oder positiv) ist sehr wichtig. Gerade bei den von dir angesprochenen schlecht (oder gar nicht) lektorierten Büchern hilft es den Autoren doch wirklich nur weiter, wenn sie hören, dass ein Rechtschreibprogramm durchaus Sinn machen würde – das ist jedenfalls meine Meinung dazu. Auch bei inhaltlicher Kritik gibt man dem Autor ja nur die Möglichkeit, sich mit den Meinungen von Lesern auseinander zu setzen und sofern sie begründet und belegt sind, kann auch das nur beim weiteren Schreiben hilfreich sein.
    Negative Kritik hilft aber nicht nur Autoren, sondern auch uns anderen Lesern. Ich habe beispielsweise schon von dem ein oder anderen Buch abgesehen, das vielleicht zuerst gut klang, aber zu dem ich dann eine negative Rezension gelesen habe, in der Punkte negativ bewertet waren, die mir beim Lesen sehr wichtig sind. So spart man Zeit und Geld, was auch nicht zu verachten ist 🙂

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  2. Mir geht es da gleich – was ist denn der Sinn der Sache, wenn man alles nur in den Himmel lobt? Wobei ich selten bis keine Rezensionsexemplare mehr lese und so auch keine „Angst“ vor der Reaktion des Autotren haben muss. Aber wenn sich ein Schriftsteller nicht mit Kritik befassen mag, ist er eh nicht in der Lage sich zu verbessern.

    Mir ist jedoch wichtig, zu begründen, was genau mir nicht gefallen hat. Wie du schon sagst, nur ein „ist doof“ reicht nicht. Und ich verfasse die Rezi dann auch so, dass ich betont von meiner Meinung spreche, da mir bewusst ist, dass anderen das Buch/der Film vielleicht gefallen könnte.

    An die Figuren-Diskussion glaube ich mich noch zu erinnern, bei der hat es mir nämlich ganz abgelöscht. Was das betrifft: nein, eine Figur muss nicht sympathisch sein, um etwas gut zu finden, z.B. die Hauptfigur aus dem cartoon „Archer“ _kann_ man nicht mögen – aber genau das macht hier den Reiz aus. Oder bei Star Wars: Ich fand die Sith von jeher interessanter als die aalglatten Jedi.

    Bei mir geht es darum, wie ein Autor seine Figur darstellt. Ein gut geschriebener Antagonist finde ich genauso toll, wie ein Held, mit dem ich mich identifizieren kann. ABER: bei mir hört es auf, wenn mir ein Hauptchara auf die Nerven geht. Beispiel: ein Autor will Tiefgründigkeit schaffen, doch seine Figur jammert nur rum. Toll ne, brauch ich nicht. Das hängt dann aber eben von der schriftstellerischen Fähigkeit des Autoren ab.

    Und Werther ging mir sowas von auf den Sack – Analyse hin oder her.

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    • Danke für deinen ausführlichen Kommentar!
      Tiefgründigkeit kann ja auf viele Weisen erzeugt werden, aber es sollte dann auch wirklich ankommen können und den Leser nicht nur nerven. Ich kenne einige Figuren, die mich mit ihren Gedankengängen ebenfalls zum Nachdenken angeregt haben – es geht also!
      Und Werther ist sowieso eine Sache für sich. 😉

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  3. Pingback: Allgemeine Beiträge | buecherlogie

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