Elizabeth Little – Mördermädchen

„Wann wolltest du zuletzt deine Mutter umbringen?“ – Mit dieser Ausgangsfrage entlässt uns Elizabeth Little in die Welt von Jane Jenkins. Jane hatte alles: Geld, gutes Aussehen und Bekanntheit. Doch dann wird sie für den Mord an ihrer Mutter verhaftet und landet für zehn Jahre im Gefängnis. Eine lange Zeit, vor allem für jemanden, der nur verschwommene Erinnerungen an die Mordnacht hat.
Als Jane entlassen wird, möchte sie endlich herausfinden, was in der damaligen Nacht überhaupt passiert ist und ob sie wirklich schuldig ist, ihre Mutter umgebracht zu haben. Dieser Plan führt sie in die Kleinstadt Adeline, welche der Drehpunkt der Geschichte wird.

Das Buch „Mördermädchen“ hat mich sofort sofort fasziniert. Und das obwohl Jane keineswegs eine besonders liebenswürdige oder bescheidene Person ist, die durch ihren Charakter besticht. Trotzdem ist sie schlagfertig, äußerst kreativ und ihre Gedankengänge waren mehr als einmal schlichtweg lustig. Die Seiten flogen nur so beim Lesen. Obwohl es sich um sehr leichte Kost handelt, blitzen hier und dort ernsthafte Gedanken auf. Ich persönlich mag Familiengeschichten, je düsterer und verwobener umso besser – und genau das wird dem Leser hier geboten. Zusammen mit einer Hand teils seltsamer, teils sehr sympathischer Figuren.
Und irgendwie mochte ich Jane am Ende sogar. Das mag damit zusammenhängen, dass mich ihr Durchhaltevermögen sehr beeindruckt hat, aber vor allem dürfte es ihre Dreistigkeit sein, die wirklich bestechend wirkt.
Allerdings kann ich mir auch sehr gut vorstellen, dass es Leser gibt, die Probleme mit dem Buch haben. Gerade der leichte, schnippische Tonfall, der im Buch angeschlagen wird, kann einem sicherlich auf die Nerven gehen. Im realen Leben würde ein Mensch wie Jane sicherlich nicht zu meinen Freunden gehören, aber in diesem Kontext war es für mich mehr als gut zu ertragen.

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Goldmann Verlag
ISBN: 3442483476
Preis: 9,99 Euro

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David Lagercrantz – Der Sündenfall von Wilmslow

Spätestens seit ich „The Imitation Game“ im Kino gesehen habe, bin ich fasziniert von Alan Turing. Einem Mathematiker, der mit seiner Arbeit wirklich Großes verbracht hat und dennoch relativ lange nicht gewürdigt wurde. Da Alan Turing homosexuell war, wurde er gesellschaftlich verfolgt und sogar verurteilt wurde. Er wurde einer Östrogen-Behandlung unterzogen, da Homosexualität damals noch als Ktankheit und somit als heilbar angesehen wurde. 1954 starb Turing durch Suizid.

David Lagercrantz wurde mit „Der Sündenfall von Wilmslow“ 2009 in Schweden berühmt. Doch bevor ich von diesem Werk erfuhr, habe ich seine Fortführung der Stieg Larsson-Reihe gelesen und war begeistert.Deswegen war ich sehr gespannt, was mich bei diesem Buch erwartet.Soweit ich das beurteilen kann, hat Lagercrantz sich sehr genau mit der Geschichte Turings beschäftigt hat.
Ich gestehe, dass mein mathematisches Verständnis nicht besonders ausgeprägt ist, trotzdem hat Lagercrantz es geschafft, seine Arbeiten so darzustellen, dass auch Laien es verstehen. Auf dem ersten Blick ist es mehr als überfordernd, sich so einem großen Werk wie Turings gegenüberzusehen. Doch als Leser nähert man sich dem schrittweise und der Protagonist der Geschichte – Leonard Corell – hinterfragt vieles, wodurch viele Details näher beleuchtet werden.
Obwohl es sich um das Lebenswerk des Mathematikers handelt, welche im Vordergrund steht, sind es auch moralische Aspekte, die hervorschimmern. Corell selbst hat ein Problem mit Homosexualität und hat diese Einstellung nie hinterfragt. Doch der Verlauf der Ermittlungen lässt ihn einiges klarer sehen.

Lagercrantz ist es auf sehe elegante Weise gelungen, Geschichte und wahre Tatsachen in einen Kriminalroman einzuweben, der den Leser fesselt. Es ist schwer, sich nicht vor Turings Fähigkeiten zu verneigen und gleichzeitig zu betrauern, wie sein Leben verlaufen ist. Er war einer der größten Denker der Geschichte und trotzdem dauerte es bis zum Jahr 2013 bis er rehabilitiert wurde. Für mich ist dies eine ganz klare Bestätigung davon, dass Engstirnigkeit und vermeintlich richtige moralische Vorstellungen das Leben von Menschen kaputt machen kann. Wenn man sich vorstellt, was Turing noch alles erforschen und entwickeln hätte können, kann man die damaligen Vorstellungen nur bedauern.
Das Buch ist absolut empfehlenswert, aber es wäre besser, wenn man sich für die Person Alan Turing und seine Werke interessiert.

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Piper Verlag
ISBN: 3492056504
Preis: 22 Euro

25 bookish facts about me

Danke fürs Taggen, Lesenlieben!

  1. Hardcover finde ich viel schöner als Taschenbücher, aber da sie teurer sind, ziehen sie seltener bei mir ein.
  2. Bücher verleihen oder ausleihen, fällt mir extrem schwer.
  3. Meine Bücherregale sind nach dem Alphabet sortiert.
  4. Ich kann keine Liebesromane lesen – und trotzdem habe ich einen auf dem SuB!
  5. Ich habe deutsche, englische und französische Bücher auf dem SuB.
  6. Die Harry Potter-Bücher habe ich bisher nur einmal gelesen, weil ich es nicht ertragen kann, einige meiner Lieblingscharaktere nochmals sterben zu sehen.
  7. Wenn ich verreise, suche ich in den Städten literarische Schauplätze auf.
  8. Als ich Kind war, musste meine Mama jede Woche mit in die Bücherei und tütenweise Bücher ausleihen.
  9. Bücherflohmärkte sind das Größte! Einmal habe ich es sogar geschafft, auf einem reinen Kleidungsflohmarkt Bücher zu finden.
  10. Mein Lieblingsklassiker ist und bleibt „Hamlet“.
  11. Während der Schulzeit habe ich die Bücher für den Deutschunterricht oftmals mehr als zweimal gelesen.
  12. Von den Mann-Brüdern kann ich keine Bücher mehr lesen.
  13. Morgens werfe ich als erstes einen Blick in mein Bücherregal und freue mich über das, was ich sehe!
  14. Es gibt Autoren, von denen ich Bücher kaufe, ohne die Inhaltsangabe zu lesen!
  15. Ich lese am Liebsten im Bett.
  16. Mir fällt es schwer, ruhig zu bleiben, wenn jemand vorliest. Ich lese lieber selbst.
  17. Auch ich träume von einem eigenen Bücherzimmer!
  18. Wer mit mir in die Stadt geht, muss die Zeit mitbringen, um mindestens einen Bücherladen zu betreten.
  19. Buchkaufverbote halte ich für Quatsch. Ich habe es versucht und es hat mich nur unglücklich gemacht.
  20. Seltsamerweise kann ich inzwischen nur noch schlafen nachdem ich gelesen habe.
  21. Ich besuche gerne Lesungen und lasse danach Bücher signieren.
  22. Wenn man mich lässt, kann ich stundenlang über Bücher reden.
  23. Inzwischen werde ich oft gefragt, wie viel Geld ich pro Monat für Bücher ausgebe.
  24. Sehr selten gehe ich mal ohne Buch aus dem Haus. SEHR selten!
  25. Ich habe kein Problem damit, gebrauchte Bücher zu kaufen.

Hat noch jemand Lust, die Fragen zu beantworten? 🙂

Der aktuelle ist-Zustand: was ist passiert in den letzten Tagen?

Ich lebe noch. Sogar sehr gut momentan. Und ich lese ebenso viele Bücher wie vorher. Trotzdem komme ich aktuell nicht so viel zum Bloggen, was vor allem daran liegt, dass ich sehr viel arbeite und nebenher jede Menge bürokratische Hürden zu überwinden habe. Das soll nun keine Ausrede sein, sondern eher eine Bestandsaufnahme. Aber nichtsdestotrotz habe ich mir vorgenommen, ab Sonntag wieder mehr zu bloggen. Glücklicherweise habe ich noch ein paar Themen offen, die ich behandeln möchte. Beispielsweise ein Vergleich vom Musical „Phantom der Oper“ zum Buch, eine offene Rezi zu einem Buch über den Mathematiker Alan Turing und das Thema „Multitaskingfähigkeit“.
Es gibt genug zu sagen, so viel kann man festhalten. Oh, und ich fühle mich inzwischen als Bloggerin recht wohl – und habe meine ersten beiden Blogger-Buch-Exemplare von zwei Verlagen bekommen. Wahnsinn! Mehr dazu an an anderer Stelle.

Macht euch einen gemütlichen, stressfreien Abend mit einem guten Buch! 🙂

Speed-Reading?

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Letztens habe ich im Internet einen Speed-Reading-Test gemacht. Das Ergebnis: anscheinend schaffe ich es, 397 Wörter pro Minute zu lesen. Allerdings stand dort, dass man mit Training (und natürlich dem Kauf eines bestimmten Konzepts) bis zu 1200 Wörter pro Minute lesen kann. Auf einmal kam ich mir sehr, seeeeehr langsam vor.
Meine Freunde halten mich nun sicherlich alle für verrückt, wenn sie die letzte Zeile lesen. Ich bin als Schnellleserin abgestempelt worden und bin wahrscheinlich auch die, die die meisten Bücher pro Monat liest. Einer meiner ehemaligen Mitbewohner fragte mich mal, ob ich beim Lesen noch jeden einzelnen Buchstaben lese. Nein, tue ich nicht. Meistens nur die ersten zwei oder drei und dann weiß ich, welches Wort daraus wird. Wie sollte das nun also aussehen, wenn man 1200 Wörter pro Minute liest? Schaut man dann nur noch auf die Seite und kann den gesamten Inhalt aufnehmen? Zugegeben, es reicht mir meistens aus, in die Mitte der Zeile zu schauen, um alle Wörter aufzunehmen. Aber eine ganze Seite?
Mal davon abgesehen, dass mir mein Lesetempo sehr gut gefällt und ich daran nichts auszusetzen habe, frage ich mich auch, ab wann es kein Vergnügen mehr ist, zu lesen. Kann so etwas abhängig davon sein, wie schnell ich etwas lese? Mal angenommen, ich könnte so viele Wörter pro Minute lesen: würde es dann noch Sinn ergeben, sich die Charaktere, die Umwelt und die einzelnen Handlungen der Protagonisten noch bildlich vorzustellen? Dann brauche ich ja vielleicht nur noch maximal einen halben Tag, um ein Buch zu lesen und die komplette Fantasiewelt wieder einzureißen.
Keine Frage, für Unibücher und -texte würde ich es mir durchaus wünschen, so schnell lesen zu können. Das sind nun aber natürlich auch zwei Paar Schuhe, denn normalerweise lese ich zur Entspannung keine Unibücher und mache dann nebenbei noch Notizen, ziehe Schlussfolgerungen, suche in anderen Texten nach Stichworten zum Thema. Dort unterbreche ich den Lesefluss also öfters, sodass es für mich auch nicht sinnvoll ist, noch schneller lesen zu können.
Wie man merkt, bin ich unentschlossen, was ich von dem Konzept Speed-Reading halten soll. Vielleicht kann eine/r von euch ja mehr dazu sagen oder hat andere Gedankengänge dazu. 🙂

Andreas Franz – Mörderische Tage

Innerhalb weniger Wochen verschwinden mehrere Frauen spurlos. Nur eine taucht wieder auf, doch diese kann der Polizei nichts über ihren Verbleib sagen. Die Polizei tappt im Dunkeln und hat keinen Anhaltspunkt. Doch Julia Durant beschließt, ihren lange geplanten Urlaub trotzdem anzutreten. Doch dann wird auch sie entführt und ihre Kollegen müssen schnell einen brauchbaren Hinweis finden, um sie zu retten.

Als Leser wird man relativ unvermittelt in die Geschichte geworfen, denn sie beginnt auf einer Autobahn, auf der Hellmer auf eines der Opfer trifft. Es handelt sich um eine schnellebige Geschichte, bei der wenig Zeit für Ruhepausen bleibt. Daduch wirkt alles sehr gehetzt, was zum Verlauf der Ermittlungen passt.
Andreas Franz‘ Bücher weisen jedoch normalerweise eine innere Struktur auf, bei der am Ende jedes Detail wichtig oder zumindest dazu passend erscheint. In „Mörderische Tage“ sind für mich einige Stellen zu benennen, die für mich zu abgehoben wirken. So bekommen die Ermittler Hilfe von einer jungen, hochintelligenten Frau, die natürlich in den USA schon beim FBI gearbeitet hat und Hellmer entpuppt sich als Wunderkind. Möglich, aber unwahrscheinlich. Und gerade die Tatsache, dass die Geschichten vom Autoren normalerweise direkt so passiert sein könnten, hat für mich den Reiz seiner Bücher ausgemacht.
Auch die Auflösung erscheint mir sehr, sehr weit hergeholt und mit Logik hat das alles nichts mehr zu tun. Hinzu kommt, dass mich diese „leitende Ermittlerin wird entführt“-Schiene nicht mehr reizt. Das Team um Durant ist relativ groß, es hätte also auch durchaus jemand anderen treffen können.
Für mich ist es durchaus eines der schwächeren Bücher von Andreas Franz und in naher Zukunft werde ich die verbleibenden Bücher auf meinem SuB wohl auch erst mal liegen lassen.

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Knaur TB
ISBN: 3426639424
Preis: 9,99 Euro

Wer die Wahl hat, hat die…

Qual!
Zumindest geht es mir momentan so, wenn ich meinen SuB anschaue. Ich habe in den letzten zwei Wochen wahrscheinlich zehn Bücher angefangen und diese dann doch weggelegt, um ein anderes zu nehmen. So gesehen könnte ich eine „Liste angefangener Bücher“ beginnen, aber zu viele Listen verwirren mich immer.
Die Beweggründe für das Weglegen sind übrigens vielfältig: „keine Lust auf ein englisches Buch“, „keine Lust, schon wieder ein Buch von dem Autoren zu lesen“, „eine Geschichte, in der Teenager die Protagonisten sind? Och nee!“ oder „Hm, die Geschichte reizt mich nicht“. Gerade Letzteres ist ja überhaupt kein Argument, denn woher soll ich wissen, wie die Geschichte wird, wenn ich das Buch nicht lese?
Auf jeden Fall türmen sich momentan die angefangenen Bücher und ich habe schon überlegt, ob mir nicht jemand anderes das als nächstes zu lesende Buch aussuchen soll. Das bringt aber wahrscheinlich auch mehr Nach- als Vorteile mit sich. Immerhin wollen immer viele Menschen, dass ich meine Klassiker lesen, aber – richtig! – nach so was steht mir aktuell auch nicht der Sinn.
Gerade heute habe ich wieder das Buch gewechselt und habe Hoffnung, dass ich dabei auch bleibe. Die ersten Seiten – oder Prozent, es ist mal wieder ein ebook – haben mir auf jeden Fall gefallen.

Falls nun aber jemand eine gute Idee hat, wie man dem „ich fange was an und beende das Buch dann doch nicht“-Phänomen gegensteuern kann, bin ich für Ratschläge dankbar!