Bücher verleihen

Dieser Blogeintrag wird mich sicherlich nicht in das beste Licht rücken, aber ich rühme mich ja dafür, oftmals zu ehrlich zu sein. Es geht um das Thema Bücher verleihen. Ehrlich gesagt, es fällt mir sehr, sehr schwer, meine Bücher zu verleihen. Selbst an Menschen, die ich lange kenne. Selbst an die, die Bücher ebenso lieben wie ich selbst.
Nein, ich habe keine Geschwister, die mir meine Sachen streitig gemacht haben. Nein, auch meine Eltern haben mir meine Spielsachen oder sonstiges irgendwann mal weggenommen. Andersherum gedacht: als Einzelkind musste ich nie teilen. Das könnte der Grund sein. Dabei teile ich inzwischen recht gerne, vor allem Süßigkeiten oder Essen allgemein. Bei Büchern ist es jedoch oft schwer. Das ist relativ schlimm, weil ich ein paar Freunde haben, die mit sehr viel Leidenschaft meine Bücherregale durchforsten und nach interessanten Titeln suchen.
Ich bin ehrlich, manchmal denke ich dann: „Oh bitte, du möchtest nicht DIESE eine Buch ausleihen, oder?“. Es geht also auch ein wenig nach dem subjektiven Wert. Ein geschenktes Buch verleihe ich weniger gerne als eines, das ich selbst gekauft habe. Ein Lieblingsbuch verleihe ich sehr ungerne, obwohl ich es gerne weiterempfehle. Keine Ahnung, welche Angst dahinter steckt, etwas Materielles zu verleihen. Wahrscheinlich die, dass das Buch am Ende nicht mehr so aussieht wie ich es in Erinnerung habe. Vielleicht auch einfach das Gefühl des Verlusts, wenn es nicht mehr in meinem Regal steht. Aber eventuell ist es auch nur die Sorge, es zu vergessen und dann nie mehr wieder zu sehen. Ich kenne Menschen, die würden nun argumentieren, dass ich doch sowieso zu viele Bücher habe und es nicht mal auffallen würde, wenn eines fehlt. Aber manchmal streiche ich über den Rücken meiner Lieblingsbücher und erinnere mich daran, wann ich es gelesen habe und wie glücklich ich dabei war. Darum wäre es auch ein herber Verlust, eines dieser Bücher niemals zu haben.
Nächstes Argument: „Du könntest das Buch doch einfach ersetzen im Zweifelsfall.“ Ja, das geht schon, aber geschenkte Bücher haben einen emotionalen Wert. Und selbst gekaufte Bücher haben ihn, wenn ich mit diesem einen Buch Gefühle und schöne Situationen verbinde. Ein Buch ist nicht einfach nur ein Buch. Es hat mich ein Stück weit begleitet und hat demnach einen kleinen Raum in meinem Leben eingenommen. Deswegen kann ich Bücher nicht einfach ersetzen und wahrscheinlich tue ich mich deswegen sehr schwer damit, Bücher zu verleihen.

An meine Freunde: Seid mir nicht böse, ihr dürft trotzdem hin und wieder was ausleihen! 😉

WP_20160217_19_59_12_Pro

Advertisements

11 Gedanken zu “Bücher verleihen

    • „Dran gewöhnen“ klingt schon so negativ – ich glaube, ich bleibe so. Immerhin bedeutet es, dass man sich um seine Sachen kümmert und es einen nicht egal ist, was damit passiert. Wie traurig wäre ich, wenn jemand ein Geschenk von mir achtlos behandelt!

      Gefällt mir

  1. …und ich dachte schon ich wäre die Einzige der es so geht. Ich verleihe auch sooo ungerne Bücher und bin immer froh, wenn mich niemand fragt, ob ich ihm dies oder jenes Buch ausleihen könnte. Also bei meinen Büchern bin ich wirklich ganz pingelig. Ich hab auch irgendwie immer die Angst das Buch dann nicht mehr zurückzubekommen, total bekloppt.

    LG Julia

    Gefällt mir

  2. Ehrlichkeit bringt meiner Meinung nach immer Pluspunkte, auch wenn der Inhalt nicht den gängigen Einstellungen entspricht 🙂
    Jetzt verstehe ich besser, wieso es doch schon etwas schwierig ist, ein Buch von dir zu leihen 😀 ich kann alle deine Gründe absolut nachvollziehen und verstehen – mir geht es zwar nicht in deinem Maße so beim Buchverleih, aber auch ich habe auch immer Angst, zu vergessen, wem ich was geliehen habe und dass die Bücher dann verschwinden.
    Ich hoffe, ich stehe weiterhin auf deiner authorisieren Liste von Bücher-Leihern. Ich schwöre hoch und heilig, sie immer im gleichen Zustand und zeitnah wieder zurückzugeben! 🙂

    Gefällt mir

    • Mir fällt das einfach echt schwer, Bücher zu verleihen und ich tue das auch immer ungerne. Am Besten dann auch nur ein oder zwei Tage lang oder zumindest direkt mit „an Tag X ist es doch zurück, oder?“ 😀

      Gefällt mir

  3. Das mit dem Verleihen kenne ich auch. Bei mir ist es vor allem, weil ich den meisten Leuten nicht traue, dass sie das Buch zurückbringen oder wenn, dann nur in einem fürchterlichen Zustand.
    Und was die Argumente anbelangt: ich verbinde auch mit selbstgekauften Büchern emotionale Werte. Dieses Buch habe ich im Urlaub gelesen, jenes auf der Fahrt zu Mutter, jenes brachte mich zum Weinen… Einfach neu kaufen geht da nicht.
    Fühl dich deswegen also nicht schlecht – das ist normales Bücherwurmverhalten 😉

    Gefällt mir

  4. Pingback: Allgemeine Beiträge | buecherlogie

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s