Bücher im Kindesalter: woher kommt die Liebe zum Lesen?

Wie wird man zum Bücherwurm?
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Wenn ich an meine Kindheit und die ersten Bücher denke, die mir wichtig waren, fallen mir sofort einige ein:

ein wunderschönes Weihnachtsbuch, das leider bei einem der zahlreichen Umzüge verloren gegangen ist und bei dem uns der Titel natürlich auch entfallen ist; ein Buch mit 365 Gute-Nacht-Geschichten und die zahlreichen Bücher aus der Bücherei.
Als ich Kind war, haben mir meine Eltern vorgelesen und auch meine Oma hat dazu etwas beigetragen, wenn ich bei ihr war. Trotzdem gab es in unserer Wohnung nicht viele Bücher. Meine Eltern haben beide viel gearbeitet und wollten danach lieber bei einem guten Film statt mit einem Buch den Abend ausklingen lassen. Wie geschrieben, eine Gute-Nacht-Geschichte gab es trotzdem immer. Als ich dann lesen konnte, ist meine Mutter jede Woche mit mir in die Bücherei gefahren und wir haben jedes Mal um die zehn bis fünfzehn Bücher ausgeliehen – jede, wirklich jede Woche! Teilweise habe ich die Bücher drei-, viermal gelesen, wenn sie mir gut gefallen haben. Als ich dann selber lesen konnte, habe ich meine Gute-Nacht-Geschichten selbst gelesen. Daran hat sich bis heute nicht viel geändert, außer dass die Themen andere sind und ich selber entscheiden darf, wann das Licht ausgemacht wird.
Irgendwann kam dann der Punkt, an dem ich meine Bücher lieber behalten wollte und dann eher in Buchhandlungen nach neuem Lesestoff gesucht habe. Auch dabei haben meine Eltern mich unterstützt. Als ich noch kein eigenes Einkommen hatte, gab es hin und wieder etwas Geld für ein neues Buch und auch mein erstes Bücherregal stammt von meinen Eltern. Okay, wenn ich ehrlich bin, stammen auch meine jetzigen Bücherregale von meinen Eltern. Die haben auch schon vier Umzüge mitgemacht und sehen hier und da etwas abgenutzt aus in folge dessen, trotzdem oder gerade deswegen hängt mein Herz an ihnen. Meine Eltern haben wahrscheinlich nie richtig verstanden, was so toll daran sein soll, ein Buch nach dem anderen zu lesen. Sicherlich wäre es ihnen manchmal auch lieber gewesen, wenn ich mehr Zeit in Sportvereinen verbracht hätte. Inzwischen dürften sie allerdings eher glücklich sein, dass ich so viel lese und mein Geld nicht für andere Dinge ausgebe. Hoffe ich zumindest.

Und wie ist es heute, aktuell und in diesem Jahr?
Wer meine Beiträge gelesen hat, weiß dass ich immer mal wieder mit meinen Eltern auf Flohmärkte fahre. Beide halten dann immer nach Büchern Ausschau und weisen mich auch darauf hin, wenn ich einen Stapel Bücher übersehen habe. Und auch heute noch bekomme ich manchmal ein Buch geschenkt, sei es auf einem Flohmarkt oder auch in einer Buchhandlung. Hin und wieder kommen auch Witze, dass ich später mindestens 50 Quadratmeter Fläche für alle meine Bücher brauche und dass ich schon mal anfangen sollte zu sparen für eine Wohnung oderein Haus, die/das groß genug für alles ist.
Trotz der Witze denke und hoffe ich mal, dass meine Eltern trotzdem stolz sind, dass aus ihrem Kind irgendwie was geworden ist. 😀 Und ich denke, dass die Bücher und das Lesen einen entscheidenden Einfluss auf meinen Lebensweg hatten und somit mit ein Grund für das sind, was ich heute tue.
Aus heutiger Sicht und mit meinem Master in Soziologie ist mir klar, dass Kinder, die mit Büchern im Haushalt aufwachsen, bessere Chancen haben. Weswegen es mir auch heute so wichtig ist, dass es ehrenamtliche Kinderförderungsprojekte gibt, die so etwas auch fördern. Damit ist nun kein Vorwurf an meine Eltern verbunden. Wie man sieht, haben sie ja doch vieles richtig gemacht. 🙂 Da kommen nun statistische Wahrscheinlichkeiten zum Tragen: Es ist wahrscheinlich, dass Kinder, die mit Büchern aufwachsen, mehr damit anfangen können und somit bessere Chancen in der Schule haben usw. Darum soll es nun aber auch gar nicht gehen.
Mir ist klar, dass ich gar nicht darauf eingegangen bin, weswegen ich überhaupt gelesen habe und lese. Kurzum: als Kind habe ich viel gelesen, um in Welten zu flüchten, die so anders waren als die Realität. Meine Schulzeit war aus verschiedenen Gründen nicht die beste Zeit meines Lebens. 😉 Auch heute noch bin ich eine große Träumerin und liebe es, fremde Welten zu erkunden oder Dinge zu erleben, die mir so niemals passieren werden.

Da mein Vater Tischler ist, habe ich außerdem noch die Hoffnung, dass wir irgendwann  mal zusammen ein Bücherregal basteln. Meine eine Chinchilla-Voliere stammt auch von ihm und so etwas Individuelles ist einfach schön. Mal davon abgesehen, dass die Gegenstände dann gleich noch mal mehr wert sind.

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Wie ist es bei euch? Lesen eure Eltern oder wie wurdet ihr Buchliebhaber? 🙂

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5 Gedanken zu “Bücher im Kindesalter: woher kommt die Liebe zum Lesen?

  1. Pingback: Allgemeine Beiträge | buecherlogie

  2. Ein ganz ganz toller Beitrag! 🙂
    Zu deiner Frage am Ende: meine Mutter las früher und liest auch immer noch sehr viel, mein Vater eher wenig. Es gab auch von meinen Eltern immer abwechseln Gute-Nacht-Geschichten vorgelesen, bis ich dann die Rolle für mich und meine Schwester, manchmal auch für meine Eltern übernommen hatte, sobald ich selber lesen konnte. Danach habe ich alles verschlungen, was Buchstaben hat. Ich habe sehr viel Zeit in der Bücherei verbracht, die Kinder- und Jugendbuchabteilung habe ich sicher an die zwei-, dreimal durchgelesen zu der Zeit 🙂
    Dann irgendwann habe ich „vergessen“ zu lesen. Von heute auf morgen waren Bücher uninteressant, wieso weiß ich bis heute nicht. Einige Jahre später habe ich dann genau so plötzlich wieder angefangen und – ich denke auch zum Teil durch dich 🙂 – bin ich dabei geblieben und lese heute auch beinahe jeden Abend (zumindest ein paar Seiten), bevor ich ins Bett gehe 🙂

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  3. Super Beitrag und super Frage!
    Meine Mutter liest ebenfalls viel und hat mir früher auch vorgelesen. Als Schulkind habe ich das Lesen dann selbst für mich entdeckt. Begonnen hat es mit verschiedenen Märchen und alten Büchern meiner großen Schwester, von denen heute leider keines mehr in meinem Besitz ist. Mein erstes eigenes Buch war dann “Die Brüder Löwenherz“ von Astrid Lindgren. Unser Klassenlehrer hatte und daraus einige Passagen vorgelesen und da musste ich das Buch einfach haben. Ich habe es auch immer noch. Seitdem hat mich das Lesefieber vollends gepackt!
    Liebe Grüße
    RiaChuck

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    • Hallo RiaChuck ,

      danke für deine Rückmeldung! 🙂
      Astrid Lindgren hat wirklich süße Kinderbücher geschrieben. Davon hatte ich zu Hause auch ein paar.

      Eltern haben wirklich einen großen Einfluss auf Kinder. Umso schöner, wenn sie vermitteln, wie toll lesen ist. 🙂

      Liebe Grüße
      Ela

      Gefällt 1 Person

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