Victor Hugo – Die Elenden

Da ist es nun, mein erste Buch für die Lese-Challenge 2016. „Die Elenden“ würde tatsächlich in mehrere Kategorien fallen, da es mich sowohl eingeschüchtert hat, weil es einfach sehr viele Seiten sind und eine ältere Geschichte, zudem habe ich mehrere Ansätze gebraucht, um es zu beenden. Ich habe es also quasi mehrmals abgebrochen bevor ich es nun beendet habe. Deswegen wird dieses Buch meine Antwort auf „9. ein Buch, welches du vorher mal abgebrochen hast“ sein. 😉

Victor Hugo erzählt in diesem Buch nicht nur die Geschichte von Jean Valjean, einem Gefangenen, der auf seinem Lebensweg allerhand erlebt, sondern er beschreibt auch auf leidenschaftliche Art und Weise Paris. Nicht nur die schönen Seiten werden hier hervorgekehrt, auch Schlechtes wird angesprochen. Nicht nur bezogen auf Paris, sondern auch bezogen auf die Menschen, die dort leben. Neben Jean Valjeans Leben wird noch das vieler anderer Charaktere angesprochen: Marius, Javert, Cosette. Victor Hugo hat es geschafft, alle Einzelschicksale zu einem Ganzen zu verweben. So erzählt er nicht nur eine Geschichte, sondern viele, die nebeneinander laufen.
Schon „Der Glöckner von Notre-Dame“ hat mir gut gefallen. Ich liebe diese alte Sprache, das ist einfach etwas für die Seele. Natürlich sind Hugos Erzählungen manchmal sehr langatmig und einige Details sind uninteressanter als andere, aber das war sein Stil. Den kann man mögen oder eben nicht. An dieser Stelle kann man sich schon fragen, weswegen ich dann so viele Anläufe gebraucht habe, das Buch zu beenden. Denn um ehrlich zu sein, habe ich nun circa ein Jahr für knapp 1300 Seiten gebraucht. Ganz einfach: das Buch ist erstens sehr unhandlich, man kann es also schlecht unterwegs lesen. Darüber hinaus ist dieses Detailreichtum wirklich schön, aber nach der Arbeit ist es manchmal ein wenig zu viel gewesen. Zu viele Informationen in zu kurzer Zeit. Das habe ich stellenweise als ermüdend empfunden.
Nichtsdestotrotz ist die Charakterzeichnung brilliant: die Entwicklung der einzelnen Figuren ist sehr gelungen, finde ich, und die Vielschichtigkeit dieser wird dem realen Leben definitiv gerecht. Was mir aufgefallen ist, ist die Tatsache, dass es kein schwarz-weiß-Denken in diesem Buch gibt. Viele Charaktere scheinen auf dem ersten Blick in eine Kategorie zugehörig und entwickeln sich in eine ganz andere Richtung. Zugegeben, manche sind eher schwarz oder weiß als andere.

Aus heutiger Sicht würde man die Geschichte Jean Valjeans sicherlich auf 500 Seiten zusammen. Das würde sicherlich auch gehen, denke ich mir. Nicht umsonst gibt es so viele Ausgaben von „Die Elenden“, die unterschiedliche Seitenzahlen haben. Doch abgesehen von den Details und der Seitenzahl gefällt mir vor allem die Botschaft dahinter: egal, was du getan hast, du hast immer die Chance, es besser zu machen. Und jeder hat diese zweite Chance verdient. Es geht um ein Miteinander, um Menschlichkeit, das Kämpfen um etwas, das einem wichtig ist. Aufgrund dessen denke ich, dass das Buch immer noch eine gewisse Aktualität besitzt.

DSCI0558

Advertisements

4 Gedanken zu “Victor Hugo – Die Elenden

  1. Pingback: Bewertungen zu den gelesenen Büchern | buecherlogie

  2. Pingback: Lese-Challenge 2016 | buecherlogie

  3. Hach, was für ein wunderbares Buch! Und ja, man könnte es heute wahrscheinlich auch auf 500 Seiten zusammenstreichen, dann wäre es aber nicht mehr „Les Miserables“. 😉 Man macht ja aus „Die Säulen der Erde“ auch keine Kurzgeschichte! 😉

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s