Maurizio de Giovanni – Der Sommer des Commissario Ricciardi

  • Erschienen: 2011
  • Seitenzahl: 364
  • Suhrkamp-Verlag

Bereits hier gab es erste Informationen und Eindrücke zu dem Buch. An dieser Stelle folgt nun die offizielle, abschließende Meinung.
Neapel in den 30er Jahren, es herrscht Sommer und die Hitze macht den Bewohnern zu schaffen. Commissario Ricciardi hat jedoch noch ganz andere Probleme: er soll den Mord an einer Edeldame aufklären, soll dabei aber keinen Staub aufwirbeln und ja niemanden aus den höheren Kreisen verärgern. Keine leichte Sache für einen Mann, der ausspricht, was er denkt und sich dabei um Titel und Ansehen nicht besonders kümmert.
Neben den Ermittlungen machen ihm zudem zwei Frauen Sorgen. Beide könnten unterschiedlicher nicht sein, beide auf ihre Art und Weise anziehend und beide gehen dem Kommissar nicht mehr aus dem Kopf. Die Ermittlungen neben unterschiedliche Wendungen und nach und nach kommen immer mehr brisante Informationen ans Licht, mit denen Ricciardi arbeiten muss.

„Der Sommer des Commissario Ricciardi“ ist, ich hatte es bereits an anderer Stelle erwähnt, der zweite Teil einer Reihe. Mit dem ersten hatte ich noch meine Schwierigkeiten, weil der Stil des Autors stellenweise sehr interessant ist. Teilweise arbeitet er mit Wiederholungen von Sätzen nachdem verschiedene Aktivitäten von den Charakteren beschrieben wurde. Zum Beispiel: „Er hat dies und jenes getan. […] Doch er irrte sich. Sie machte den Haushalt und kochte. […] Doch sie irrte sich.“
Das wirkte auf mich im ersten Moment etwas befremdlich, man gewöhnt sich allerdings schnell daran. Die Sprache passt zu den 30er Jahren, würde ich sagen. Sie klingt weniger flach als sie heute manchmal in Büchern zu finden ist. Mir gefällt das, es passt zu der Zeit und auch zu den Charakteren, besonders zu Ricciardi.

Apropos Ricciardi: ich mag diesen Protagonisten! Am Liebsten würde ich sofort die letzten fehlenden Bücher aus der Reihe kaufen, aber ich habe in den letzten Tagen schon zu viele Bücher gekauft. Deswegen muss das bis zum nächsten Monat warten. Was macht Ricciardi nun also so besonders? Er sieht Tote und hört ihre letzten Worte, das ist schon mal interessant. Hinzu kommt sein unnachgiebiger Charakter, hohe moralische Vorstellungen gepaart mit einem gewissen Maß an selbstzerstörerischer Veranlagung. Dieser Mann ist wirklich der festen Überzeugung, überhaupt kein Glück und erstrecht keine Liebe verdient zu haben. Er ist dabei aber kein typischer Protagonist, der sich die ganze Zeit selbstbemitleidet, sondern jemand, der sich in Arbeit stürzt und sich so ablenkt.
Alles in allem ist der Mordfall sehr verzwickt, es kommen immer mehr mögliche Tatverdächtige in Frage und am Ende kommt dann die große Überraschung. Obwohl die Möglichkeiten in den 30er Jahren nicht so vielfältig waren wie heute was Spurensuche und andere ermittlunsgtechnische Gegegebenheiten angeht, gelangen die Polizisten anhand reiner Befragungen und Überlegungen doch recht schnell zu Fortschritten.
Mir gefällt die Reihe sehr gut, da sie einen ungewöhnlichen Protagonisten bietet und neben den eigentlichen Fällen auch ein gesundes Maß an privaten Problemen mit sich bringt. Wer Krimis mag, die nicht allzu blutrünstig sind, könnte an diesen Büchern Gefallen finden.

EDIT: Ich muss mich verbessern: Die Reihe fängt mit „Der Winter des Commissario Ricciardi“ an. Es gibt zudem noch andere Bücher, die keine Jahreszeit im Herbst tragen – ABER: „Der Herbst des Commissario Ricciardi“ wurde aus irgendeinem Grund bisher nicht einmal übersetzt.

Was lese ich 1

„Der Sommer des Commissario Ricciardi“ und eine Gasse in Italien

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Ein Gedanke zu “Maurizio de Giovanni – Der Sommer des Commissario Ricciardi

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