Henning Mankell – Die italienischen Schuhe

Bücher von Henning Mankell kenne ich nur, wenn darin Kurt Wallander vorkommt. Gelesen habe ich zum Beispiel Henning Mankell – Die fünfte Frau oder Henning Mankell – Mörder ohne Gesicht. „Die italienischen Schuhe“ dreht sich allerdings mal nicht um Wallander, sondern um Fredrik Welin, einen ehemaligen Arzt. Dieser lebt alleine auf einer kleinen Insel, zu der nur der Postbote alle paar Tage kommt. Vor einigen Jahren hat sich etwas in seinem Leben ereignet, das für ihn eine Katastrophe war und ihn dazu zwang, sich zurückzuziehen.
Eines Tages steht jedoch Harriet, seine große Liebe, die er damals trotzdem verlassen hat, vor ihm. Da sie schwer krank ist, bittet sie ihn, sein damals gegebenes Versprechen einzulösen. Sie wollten damals einen kleinen Waldsee besuchen, bei dem er als Kind mit seinem Vater war. Damit beginnt ein Abenteuer, das sowohl die Vergangenheit als auch die Gegenwart aufmischt. Er erfährt, dass er eine Tochter hat, von der er nichts wusste und er lernt Sima kennen, eine junge Iranerin. Darüber hinaus kann er mit dem abschließen, was er als Katastrophe sieht und was sein Leben damals verändert hat: er trifft die Frau, der er damals den falschen Arm amputiert hat.

Henning Mankell beschreibt in diesem Buch die Einsamkeit und die Schuld eines Mannes, der viele Fehler gemacht hat und damit nicht recht leben kann. Als Bestrafung lebt er alleine auf einer Insel. Die Darstellungen sind ziemlich eindrucksvoll, die Empfindungen von Fredrik Welin sind gut beschrieben. Darüber hinaus finde ich die Beschreibungen der schwedischen Landschaft großartig. Zum Glück fliegen wir nächstes Jahr auch nach Schweden, ansonsten hätte ich nun direkt eine Reise planen wollen.
Ich kann nicht sagen, ob man bei diesem Buch den typischen Wallander-Stil erkennen kann, aber ich kann sagen, dass mir der Aufbau gut gefallen hat. Die Reaktionen und Handlungen der Charaktere sind glaubwürdig, finde ich. Welin, der sich schwer tut, sich auf Menschen einzulassen, seine Tochter, die völlig verwirrt ist, da sie plötzlich einen Vater hat und Harriet, die schwerkrank ist und ihre letzten Tage erlebt.
Mir hat das Buch gut gefallen, da es viel von den Charakteren preisgibt. Es geht um Schuld, Verzeihen und der Frage danach, wie lange man für Fehler in der Vergangenheit büßen sollte. Es geht um das Leben und den Tod. Es geht um Beziehungen zu Menschen, die man liebt und um die, die man nur flüchtig kennen lernt.

Ich könnte mir vorstellen, dass alle Leseratten, die die Bücher um Wallander mögen, auch „Die italienischen Schuhe“ schätzen. Die Darstellung einer Reise in die Vergangenheit und der Frage danach, wie sie unsere zukünftigen Handlungen beeinflusst, ist bei diesem Buch sehr gelungen.

dsci0683

Henning Mankell – Die italienischen Schuhe

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s