David Morrell – Der Opiummörder

  • Seitenzahl: 509 ohne Nachwort
  • Erscheinungsjahr: 2015
  • Knaur Verlag

David Morrells Buch „Der Opiummörder“ war mein Buch-Date. Gelesen habe ich es sogar schon im August, aber ich musste bis jetzt mit meiner Rezi warten. Die erste Frage lautet wahrscheinlich, wieso ich mich ausgerechnet für dieses Buch entschieden habe. Ganz einfach: die Mischung aus Fiktion und Geschichte hat mich angesprochen. Darüber hinaus finde ich historische Mordgeschichten immer interessant. Keine Ahnung, woher das kommt.
Das Buch spielt im Jahre 1854, 43 Jahre nachdem John Williams sieben Menschen getötet hatte, bevor er sich im Gefägnis selbst umbrachte. Knapp vier Jahrzehnte später passieren Morde, die genau nach dem gleichen Vorgehen verübt werden. Fast alle Details stimmen überein. Die Londoner Bevölkerung ist angsterfüllt und traut sich nachts nicht mehr auf die Straße. Zu groß scheint die Gefahr, das nächste Opfer zu werden. Thomas De Quincey, ein Schriftsteller und zugleich bekennend opiumsüchtig, befindet sich zu der Zeit in London. Vor einigen Wochen ist sein Buch „Der Mord als eine schöne Kunst betrachtet“ erschienen, welches unter anderem sehr detailreich von den Morden John Williams berichtet. Schnell wird er zum Tatverdächtigen, doch Detective Ryan muss schnell feststellen, dass der Opiuimsüchtige nicht der Mörder sein kann. Zusammen mit De Quinceys Tochter und dem Constable Becker macht er sich auf die Suche nach dem wahren Täter.

Man merkt der Geschichte an, dass sie gut recherchiert ist. Das Leben in London wird sehr ausführlich beschrieben und bietet viele Einblicke in das damalige Leben. Schön finde ich, dass Morrell den Charakteren unterschiedliche Ausdrucksweisen in den Mund legt. So spricht eine Prostituierte anders als Ryan, der Detective ist, und De Quinvey, der Schriftsteller ist und eine etwas verwirrende Art hat, zu sprechen.
Interessant ist auch, dass man in viele Gedanken der Charaktere Einblick erhält. So wird aus dem Leben des Mörders ebenso berichtet wie aus dem von De Quincey. Auf diese Weise gewinnt die Geschichte nochmals an Tiefe, finde ich. Als Leser versteht man die Beweggründe, die die Charaktere zu Handlungen animiert haben.
Schade finde ich, dass die Geschichte sehr glatt ist. Ryan weiß sehr schnell, dass De Quincey kein Mörder ist, zusammen kommen sie doch relativ schnell auf die richtige Fährte, wer die Menschen umgebracht haben könnte. Das ging für mich alles zu schnell und zu linear vonstatten. Die Erfassung des Mörders dauert zwar bis zum Schluss, aber allen Beteiligten ist sehr schnell klar, wer es war. Sie können sogar hochrangige Individuen bei der Polizei dazu bringen, sie bei ihrem Vorhaben zu unterstützen. Alles in allem ist mir das zu einfach gegangen.
Trotzdem hat es mir Spaß gemacht, das Buch zu lesen. De Quinceys Tochter ist mir allerdings sympathischer als ihr Vater, muss ich gestehen. Er ist doch ein wenig anstrengend, was vor allem an seiner Opiumsucht liegt. Das ist gewollt, weswegen es kein großer Kritikpunkt darstellt.

Das Buch ist aus meiner Sicht etwas für Menschen, die gerne eine gut recherchierte Verknüpfung aus historischen Tatsachen und einer fiktiven Geschichte lesen. Darüber hinaus finde ich das London des 19. Jahrunderts sehr spannend. Das könnte also ein weiterer Pluspunkt sein.

Im Sammelbeitrag findet ihr dann übrigens die Beiträge der anderen Teilnehmer.

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David Morrell – Der Opiummörder

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9 Gedanken zu “David Morrell – Der Opiummörder

  1. Pingback: Buch-Date [Sammelbeitrag] « Zeilenendes Sammelsurium

    • Frisch aus dem Wochenend-Urlaub zurück muss ich gleich noch schauen, was du zu meiner Empfehlung geschrieben hast.
      Den zweiten Teil werde ich auf jeden Fall auch lesen. Und auch beim nächsten Buch-Date wäre ich gerne wieder dabei. Sonst hätte ich dieses Buch wohl nie oder noch lange nicht kennengelernt. 🙂

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  2. Was du an dem Buch bemängelst, ist lustigerweise genau das, was es für mich attraktiv macht. Ich mag diese Kriminalromane nicht, die ewig verwickelt und auf der vorletzten Seite noch eine überraschende Wendung haben. Ehrlich gesagt find ich Kriminalromane meistens dann gut, wenn das Kriminalistische Beiwerk ist. Sei es, dass sie historisch was gut Recherchiertes erzählen, sich mit Wissenschaft auseinandersetzen oder sonstiges. Und insbesondere die unterschiedlichen Tonlagen der Figuren machen mich neugierig. Danke für diese wunderbare Empfehlung. 🙂

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