Patricia Cornwell – Staub

Kay Scarpetta gehört für mich zu meinen Lieblingscharakteren, auch wenn ich das selber oftmals sträflich vernachlässige und sie deswegen oftmals nicht in dieser Liste auftaucht, wenn mich jemand fragt.
Allerdings muss ich gestehen, dass ich die Bücher von Patricia Cornwell niemals in der richtigen Reihenfolge gelesen habe. Das erste Mal gebeichtet hatte ich dies schon in diesem [heute lese ich…] Staub-Beitrag. Wie dort schon erwähnt, war ich deswegen zu Beginn von „Staub“ etwas verwirrt, dass sie gar nicht mehr in Richmond arbeitet. Ihre Freundschaft zu Marino und die Beziehung zu Benton sowie Lucys Job in der Privatdetektei sind allerdings geblieben.
In diesem Buch geht es um den Mord an einem vierzehnjährigen Mädchen und den Tod eines Traktorfahrers. Für den ersten Fall wird Kay Scarpatta als Beraterin hinzugezogen, da die Beamten den Fall anscheinend alleine nicht lösen können. Der jetzige Chefpathologe ist natürlich alles andere als begeistert, seine Vorgängerin zu treffen. Schlimmer wird es nur noch, als an beiden Leichen die gleiche Substanz gefunden wird und der Chefpathologe Dr. Marcus davon ausgeht, dass seine Mitarbeiter oder Scarpetta die Spuren verunreinigt haben.
Lucy, Scarpettas Nichte, hat zur gleichen Zeit ganz andere Sorgen. Ihre Freundin Henri wurde in ihrem Haus überfallen. Darüber hinaus findet sie seltsame Zeichen an ihrem Wagen und an der Tür ihres Hauses. Schnell wird klar, dass ihr Leben in Gefahr ist.

In meinem ersten Eindruck in der „heute lese ich“-Kategorie klang ich wahrscheinlich begeisterter als ich schlussendlich war. Patricia Cornwell hat sehr viele Abzweigungen und versteckte Hinweise in ihre Geschichte eingebaut, nur um sie am Ende auf sehr wenigen Seiten zum Abschluss zu bringen. Schlimm genug, so eine gut konstruierte Geschichte in so kurzer Zeit zu beenden, das Ende war darüber hinaus auch noch ziemlich absurd.
Welche Polizeibehörde würde einen Ermittler, der nicht mal im gleichen Bundesstaat tätig ist, einen Verdächtigen alleine festnehmen? Ohne Absicherung? Wahrscheinlich wusste die hiesige Polizeistelle nicht einmal etwas von dem Vorgehen von Marino, obwohl sie den Namen des Verdächtigen kannten. Meiner Ansicht nach ist das ziemlich dämlich, da hätte immerhin einiges schief gehen können. Dass Patricia Cornwell der ansonsten so zuverlässigen, auf Recht und Ordnung beharrende Kay Scarpetta so etwas durchgehen lässt, finde ich unglaubwürdig.
Sei es drum, dann ist die Auflösung eben weit hergeholt, könnte man nun argumentieren. Aber auch das Motiv des Täters ist für mich sehr dünn. Natürlich gibt es Täter, die sich erst nach sehr vielen Jahren an ihren vermeintlichen Peinigern rächen. Aber sich an Lucy zu rächen, nachdem diese schon eine Polizeiausbildung gemacht hat und so viel Kampftraining hat? Unglaubwürdig! Die jugendliche Lucy hat damals etwas getan, was einem anderen Menschen, dem Täter,  geschadet hat. Man würde meinen, dass dieser sich dann an ihr rächen würde, wenn sie noch jünger und unerfahrener ist. Stattdessen wartet er, bis sie vollausgebildete und eine extrem gefährliche junge Frau geworden ist, die sich sicherlich besser verteidigen kann als er es je könnte. Also wirklich!

Dass das Buch diese beiden Schwachpunkte aufweist, ist schade. Denn ansonsten war es schön, wieder auf Kay Scarpetta, Lucy, Benton und Marino zu treffen. Scarpettas Art hat für mich schon immer etwas Positives gehabt: eine intelligente Frau, die ihr Leben im Griff hat und auch in Notsituationen einen kühlen Kopf bewahrt, mir gefällt das. Der impulsive Marino stellt da in ihrem Leben einen deutlich Kontrast dar. Wenn die beiden zusammenarbeiten, finde ich die Dialoge und Wortgefechte zwischen beiden immer lesenswert. Das war auch in diesem Buch der Fall, zum Glück.

Trotzdem bin ich enttäuscht, aber vielleicht wird das nächste Buch wieder besser und kann mich überzeugen.

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Patricia Cornwell – Staub

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4 Gedanken zu “Patricia Cornwell – Staub

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