Ursula Poznanski/ Arno Strobel – fremd

Stell dir vor, du bist abends in deiner Wohnung und hörst ein Geräusch an der Haustier. Natürlich denkst du an einen Einbrecher, doch statt wegzulaufen, gehst du nachsehen. Dort steht ein Fremder. Ein Mann, den du nie gesehen hast, der dir aber versichert, dass ihr ein Paar seid, dass ihr zusammen in dem Haus lebt. Doch nichts weist auf einen Mann im Haus hin.

Stell dir vor, deine eigene Frau erkennt dich nicht mehr und möchte dich verletzten, wenn nicht sogar töten. Dir kommen alle Gegenstände im Haus bekannt vor, doch keine davon gehören dir. Wer von euch beiden ist verrückt?
Joannas Realität wird erschüttert, als plötzlich ein Einbrecher im Haus steht. Ein vermeintlicher Einbrecher, denn er hat einen Schlüssel. Und ihre beste Freundin kennt den Mann sogar, es gibt gemeinsame Bilder. Joanna erinnert sich an jede Station in ihrem Leben, an ihre Familie, ihre Freunde, ihren Expartner – nur an Erik, der Mann, der behauptet, ihr Lebensgefährte zu sein, löst keinerlei Erinnerung in ihr aus.
Dies wäre schon Grund genug, Angst zu haben und verwirrt zu sein. Doch nach und nach wird klar, dass jemand die beiden töten möchte. Sie müssen lernen, einander zu vertrauen, um eine Antwort auf ihre Fragen zu bekommen.

Ich habe Ursula Poznanski letztes Jahr auf der Frankfurter Buchmesse zum ersten Mal gesehen. Vorher sind ihre Bücher oder ihre Person mir nie bewusst untergekommen. Interessanterweise hat es nun fast ein Jahr gedauert bis ich mein erstes Buch von ihr gekauft habe. „fremd“ hat sie zusammen mit Arno Strobel geschrieben, welcher mir schon vorher bekannt war. Wahrscheinlich habe ich auch deswegen nach dem Buch gegriffen. Zudem klang der Inhalt sehr spannend.
Das war er schlussendlich auch. Die Geschichte von Erik und Joanna wird aus Sicht der beiden geschrieben, die Kapitel wechseln sich immer ab. Auf diese Weise bekommt man einen guten Eindruck von den Gedanken und Gefühlen beider Protagonisten. Da beide unterschiedliches Vorwissen mitbringen, ist dies eine ziemlich gute Lösung, dem Leser Zugriff auf das Wissen zu geben.
Der Stil ist dem eines Thrillers angemessen: keine langen Ausschweifungen, sondern eher harte Fakten. Allerdings wirken selbst beschriebene Gefühle teilweise zu sachlich. Gerade zum Ende der Geschichte hin wird dies noch deutlicher.
Am Anfang wird man als Leser relativ unvermittelt mitten in die Geschichte geworfen. Die Spannung hält sich auch bis zum Ende, wo die Geschichte aufgelöst wird. Tatsächlich gibt es eine Erklärung, woher die beiden sich kennen und weswegen Joanna sich nicht mehr an Erik erinnern kann. Sicher, richtig realitätsnahe ist die Auflösung nicht, aber ich denke, so etwas ist in einem Thriller erlaubt. Es handelt sich immerhin nicht um ein Sachbuch.

Mir hat das Buch gut gefallen. Durch die Zweiteilung der Geschichte – Joannas und Eriks Sicht – wird die Geschichte dynamischer und schnelllebiger. Interessant fand ich, dass auch bei dramatischen Ereignissen zwar Gefühle beschrieben wurde, bei mir aber nicht richtig ankamen. Insgesamt wirkte alles sehr sachlich.
Wer gute Thriller mag, sollte „fremd“ jedoch unbedingt lesen. Jedes Detail der Geschichte kann am Ende, bei der auflösung, wichtig sein. Solche Details mag ich bei Krimis bzw. Thriler. Poznanski und Strobel haben es geschafft, eine Spur an Hinweisen zu hinterlassen, die nur dann zum Ziel führt, wenn zwischendurch nicht einer fehlt.

dsci1286

Poznanski/Strobel – fremd

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4 Gedanken zu “Ursula Poznanski/ Arno Strobel – fremd

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