Sebastian Fitzek – Das Paket

Ich sehe die überraschten Gesichter meiner Freunde direkt vor mir, wenn ich ihnen kommende Woche erzähle, dass ich das Buch schon gelesen habe. Wirklich erstaunlich, wie schnell man Menschen beeindrucken kann, obwohl sie es doch gewöhnt sein müssten. 😉

Aber kommen wir direkt zum Inhalt:

Für Emma bricht ihre Welt zusammen, als sie nach einer Konferenz im Hotel eincheckt und dort vergewaltigt wird. Schlimm genug. Schlimmer wird es nur dadurch, dass ihr niemand glaubt – denn das angebliche Zimmer gibt es nicht, Zeugen sind nicht auffindbar und niemand vom Hotelpersonal hat sie gesehen.
Einige Zeit danach nimmt sie ein Paket für einen Nachbarn an und damit beginnt der nächste Alptraum für sie. Den Nachbarn kennt sie nicht, hat ihn nie gesehen und auch noch nie seinen Namen gehört. „Was ist schon dabei, ein Paket anzunehmen?“, denkt sie sich. Theoretisch nichts, schlimm ist es nur, wenn die Neugierde siegt und man das Paket öfftnet, um sich den Inhalt anzusehen.

Emma steht plötzlich ganz alleine da und als sie ihr Leben wieder gerade rücken möchte, macht sie alles nur noch schlimmer. Denn manchmal ist es schwer, Opfer und Täter auseinanderzuhalten. Wer ist Freund, wer ist Feind? Auch diese Grenzen verschwimmen zunehmend.
„Ist das Buch ein typischer Fitzek?“ werde ich oft gefragt, wenn ich eines seiner Bücher beendet habe. Bisher weiß ich nicht so richtig, was „typisch Fitzek“ sein soll, denn „Noah“, „Die Therapie“ und nun „Das Paket“ sind sehr unterschiedlich. Was sie alle gemeinsam haben, ist eine gut durchdachte, spannende Geschichte. Vieles ist nicht so, wie es auf dem ersten Blick scheint. Oftmals selbst auf dem zweiten nicht. So auch bei „Das Paket“:

Zunächst wird aus Emmas Kindheit berichtet, die für den Verlauf der Geschichte von zentraler Bedeutung ist. Auch wenn es im ersten Moment nicht gerade danach aussieht bzw. der Bezug zum anderen Strang erst später deutlich wird. Danach springt das Buch zum Leben der erwachsenen Emma. Zeitsprünge kommen innerhalb der Geschichte übrigens immer wieder vor. Drei Wochen vor, zwei Stunden später, sechs Monate danach – die Geschichte zeigt verschiedene Zeitpunkte auf, in denen beschrieben wird, wie es Emma geht und was sie in der Zeitspanne tut. Das klingt nun verwirrender als es tatsächlich ist. Tatsächlich merkt man auch beim Lesen der einzelnen Kapitel recht schnell, wo dieses zeitlich einzuordnen ist.

Beim Lesen von „Das Paket“ dachte ich oftmals, ich hätte die Geschichte durchschaut, doch kann kamen neue Details auf, die die Geschichte wieder durcheinander gewirbelt haben. Okay, ganz am Ende war mir klar, wer es gewesen sein muss, aber damit hätte ich am Anfang niemals gerechnet. Und genau das ist meines Erachtens nach die Stärke von Sebastian Fitzek: er spielt mit dem Leser, legt falsche Spuren und Halbwahrheiten aus, die man beim Lesen als wichtig und wegweisend ansieht. Sie sind es oftmals aber nicht. Dann allerdings doch wieder, sodass man nie weiß, ob man seinen eigenen Gefühlen trauen sollte oder nicht.
So muss sich Emma, die Protagonistin, auch gefühlt haben, als ihr niemand geglaubt hat. Selbst ihr Ehemann und ihre beste Freundin haben an ihrer Version der Geschichte gezweifelt. Der Autor hat es auf eine geschickte Art und Weise geschafft, dass man als Leser irgendwann selbst die Erlebnisse von Emma anzweifelt und sich fragt, was genau sie sich eingebildet hat und was nicht.

Ich habe das Buch innerhalb weniger Stunden gelesen, was deutlich zeigt, dass ich es kaum weglegen konnte. Die Geschichte um Emma ist gesprickt mit vielen Wendungen und Details, die auf den ersten Blick nur dahergesagt wirken und dann doch wichtig sind. Die Auflösung ist Sebastian Fitzek gut gelungen, finde ich.
Während manche Thriller am Ende mit einer etwas abgehobeneren, unrealistischeren Auflösung aufwarten, scheint das Ende von „Das Paket“ nahezu erschreckend real. Mit genügend krimineller Energie und finanziellen Mitteln lässt sich eine solche Geschichte sicherlich nachstellen. Unwahrscheinlich, aber trotzdem erschreckend, dass alles im Rahmen des Möglichen liegt.
Also wer Sebastian Fitzek mag und vielleicht nach „Die Blutschule“ etwas enttäuscht war, sollte „Das Paket“ lesen. Es ist in meinem Empfinden wieder deutlich besser als „Die Blutschule“, vor allem weniger bluttriefend – wenn auch nicht gänzlich ohne! – und raffinierter.

paket

Sebastian Fitzek – Das Paket

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Droemer
ISBN: 978-3-426-19920-6
Preis: 19,99 Euro

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11 Gedanken zu “Sebastian Fitzek – Das Paket

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