Nick Cutter – Das Camp

Samstagabend, wahrscheinlich sollte man andere Sachen machen außer Unitexte zu schreiben. Allerdings bin ich heute Nacht auch erst gegen fünf Uhr im Bett verschwunden, daher kann ich es verkraften. Zudem komme ich dann heute endlich mal wieder dazu, eine Rezi zu schreiben.

Gestern habe ich bereits kurz über Das Camp von Nick Cutter geschrieben. Aber nochmals zum Inhalt: Als ein völlig ausgehungerter, ausgemergelter Mann auf einer kleinen Insel strandet, ahnen weder Tim,  der Gruppenleiter der Pfadfinder, noch die Vierzehnjährigen, mit denen er unterwegs ist, was das für Konsequenzen haben wird. Der Mann scheint krank zu sein und hat einen unnatürlichen Hunger. Selbst Einrichtungsgegenstände sind nicht sicher vor ihm. Tim ist nicht nur Gruppenleiter, sondern auch Arzt und möchte dem Mann helfen. Nach einer kurzen Zeit stellt er jedoch fest, dass auch er einen unnatürlich großen Hunger hat. Er hat sich bei dem Mann angesteckt. Damit beginnen die Probleme richtig, denn nun sind fünf vierzehnjährige Jungen auf sich alleine gestellt. Auf einer Insel, die völlig abgeschnitten ist vom Festland.
Wenn ich mir die Zusammenfassung ao ansehe, finde ich immer noch, dass man aus der Geschichte etwas richtig Gutes hätte machen können. Eine einsame Insel ist immerhin immer ein guter Standort für eine fast aussichtslose Geschichte.
Die ersten paar Seiten haben mich auch noch gepackt. Das Auftreten des dürren Mannes, die Reaktionen der Kinder und des Gruppenleiters, das alles hatte noch Tiefgang. Danach ging es merklich bergab. Die Geschichte ist in meinen Augen nur darauf ausgelegt, zu schockieren. Es werden brutale Szenen am laufenden Band präsentiert, in denen literweise Blut fließt. Bis zu einem gewissen Niveau hätte das auch zur Geschichte gepasst, aber die immer wiederkehrenden Wiederholungen, die der Autor anscheinend als besonders gelungen empfunden hat, haben mich irgendwann richtig genervt. Mal davon abgesehen, dass die Handlung recht dünn ist. Streng genommen passiert nicht wirklich viel.

Das Spannendste an dem Buch waren aus meiner Sicht dann noch Interviewauszüge, Berichte von Labortests oder Briefe, die von Beteiligten und unbeteiligten Personen stammen. Sie haben ein wenig Hintergrundwissen in die Geschichte gebracht, denn bei der Krankheit, die der Mann auf die Insel bringt, handelt es sich um eine genmanipulierte Art Bandwurm. Ich hätte mir mehr Informationen zu dem Menschen gewünscht, der hinter diesem biologischen Experiment steckt, aber auch zu den Experimenten. Letzteres dann vielleicht in einer neutraleren Art und Weise und nicht wieder darauf ausgelegt, es noch schokcierender darzustellen als es ohnehin wäre. Auch die Darstellung der Jungen ist nicht erschöpfend: Hier wurden immer mal wieder Einzelheiten eingearbeitet, aber auf ziemlich einseitige Weise. Einer der Jungs wurde immer gemobbt, nur dazu gibt es Einzelheiten. Der andere quälte gerne Tiere und später auch Menschen. Also geht der Autor immer wieder auf genau diese Charaktereigenschaften ein. Mir war das zu eindimensional.

Interessanterweise fand ich die Danksagung sehr passend zum Buch. In der wird gesagt, dass der Vater des Autors meinte, dass die Geschichte irgendwas hätte, auch wenn er nicht wüsste, was. Ähnliches sagten wohl auch andere Menschen, die das Buch gelesen haben. Also ja, das Buch hat irgendwas. Eine gute Idee, die leider nicht völlig genutzt wurde.

das-camp

Nick Cutter – Das Camp (Heyne-Verlag)

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