Interview mit Sabine Ibing

ibing

Die Autorin Sabine Ibing

Wer meinen Blog ein wenig verfolgt, dürfte der Name der Autorin Sabine Ibing bekannt vorkommen. In den letzten Monaten durfte ich sowohl Frau mit Grill sucht Mann mit Kohle als auch Frau mit Grill: Königin der Costa Blanca lesen und rezensieren. Da mich die Person hinter den Büchern immer interessiert, aber nicht alle Fragen beim Lesen von Internetseiten beantwortet werden, beschloss ich, bei der Autorin anzufragen, ob sie mir ein paar Fragen für meinen Blog beatnworten würde. Zu meiner großen Freude hat sie zugestimmt. Das Ergebnis bekommt ihr hier zu lesen.

 

So könnt ihr euch meine Rezi- und Leseflaute mit ein paar Details zu Sabine Ibing vertreiben. Viel Spaß. 🙂

Sabine, wie bist du zum Schreiben gekommen?

Das ist eine schwierige Frage, denn man entscheidet nicht einfach: Jetzt schreibe ich. Für mich ist das eine Entwicklung, die mit Lesen beginnt. Man sagt, ich habe mit einem Jahr begonnen, mein erwachsenes Umfeld zu nötigen, mir ständig vorzulesen. Die Bibliotheksangestellten kannten mich alle mit Namen, Taschengeld habe ich in Bücher investiert, mit 12 bin ich in die Erwachsenenabteilung gewechselt. Ich gehe niemals ohne Buch oder Zeitung vor die Tür. Wer viel liest, entwickelt automatisch einen Bezug zu sprachlichem Ausdrucksvermögen, da bin ich mir sicher. Und das persönliche Umfeld trägt dazu bei, Eltern, Schule, hier entwickelt sich sprachlicher Ausdruck. Beobachtung ist ein weiterer Aspekt, Dinge und Menschen betrachten, Situationen analysieren. Beruflich musste ich viel schreiben, Berichte, Artikel, neue Projekte entwerfen, Dokumentationen, Werbebroschüren, usw. In meiner Zeit auf Teneriffa war ich u.a. journalistisch tätig. Einem südtiroler Publisten gefiel mein Schreibstil und er bat mich, für eine Illustrierte eine eine Geschichte über Chats und Internet zu schreiben. Maximal 5 % der Bevölkerung hatte damals Internet und die ersten Chats gab es vielleicht kein Jahr. Die Story gefiel ihm und sie erschien in einer tiroler Illustrierten und in einer Literaturzeitschrift. Den Lesern gefiel der Text und sie fragten, aus welchen Buch er stamme, wo man das kaufen könne. »Schreib es!«, riet mir der Publizist. So kam 1999 »Ch@tlove«, mein erstes Buch heraus. Eine Weile fehlte mir die Zeit zum Schreiben. Heute kann ich mich ganz darauf konzentrieren, 2014 kam »Zenissimos Jagd« heraus, weitere Romane folgten. Schreiben entwickelt sich. Ein Fachtext, ein Bericht, ein Werbetext, ein Zeitungsartikel, ein Roman, das sind alles zusammengestellte Buchstaben, Sätze. Aber jeder Text unterliegt einer anderen »Regel«. Jedes Schriftstück unterliegt bestimmten Strukturen im Aufbau und im Ausdruck. Wer viel liest, begreift das, kann es umsetzen.

Wie sieht ein Tag bei dir aus, wenn du ein neues Buch angefangen hast?

Ein Buch beginnt nicht mit dem Schreiben. Wir müssen einen Schritt zurückgehen. Zuerst benötigt man eine Idee . Ich habe mehrere Gedanken dazu auf dem Schreibtisch liegen. Irgendeine davon zündet. Dann schreibe ich eine grobe Inhaltsangabe und fange zu den Themen an zu recherchieren. Nebenbei wird der Plot gestaltet. Wenn ich alles zusammen habe, fange ich an zu schreiben. Das geht meist schneller als die Vorbereitung. In dieser Zeit probiere ich, sowenig wie möglich mich von anderen Dingen ablenken zu lassen. Ich muss trotzdem zwischendurch abschalten, sacken lassen, überlegen, ob das was man bisher produziert hat, gut ist. Steht der Text, kommt die Überarbeitungsphase. Ich lese viel und meine anderen Bücher bringen auch Arbeit. Vertrieb, Marketingpaper für die Bücher, Werbebroschüren, Kontakt mit Buchhandlungen, Bibliotheken, Pressekontakte, Lesungen, Interviews, Versand, Webseitenpflege, FB-Seitenpflege, Austausch mit anderen Autoren usw. Ebenso schreibe ich kleine Artikel und führe einen Literaturblog, bin Administrator einer Buchgruppe auf Facebook. Ich arbeite nicht als Angestellte in einem Büro von 8.00-16.30 Uhr. Ich habe eine freie Zeiteinteilung. Mal sitze ich um 6.30 Uhr und schreibe, mal erst um 11 Uhr. Kommt vor, dass ich nachts um zwei noch schreibe, oder um 17 Uhr Schluss mache. Ich habe in diesem Sinn keinen Tagesablauf, der zu beschreiben wäre.

Was sind deiner Meinung nach die besten und die schlechtesten Momente im Leben als Autorin?

Ein Schriftsteller ist ein Mensch, wie jeder andere auch. Würdest du einen Mechatroniker fragen, welches die schlechtesten Momente im Leben eines Mechanikers sind? Schlechte Momente haben etwas mit persönlicher Stabilität zu tun und mit Wertigkeit. Was für den einen Menschen eine Lebenskrise ist, ist für den anderen ein Lapsus. Ich habe als Sozialpädagogin so viel Leid bei anderen Menschen erlebt, dass mir meine eigenen Unpässlichkeiten bisher als nicht erwähnenswert vorkamen.

Was machst du, wenn du nicht gerade an einer Geschichte arbeitest?

Siehe oben.

Kannst du schon mehr zu deinem nächsten Buch verraten?

Hier bin ich in der Entwicklung, möchte noch nichts verraten. In ein paar Tagen erscheint der zweite Teil von »Frau mit Grill« – Königin der Costa Blanca. Viele Leser wollten wissen, wie es im Leben der narzisstischen Sophie weitergeht. Ich hatte Spaß daran, die Story weiterzuentwickeln. Dabei wollte ich mich nicht wiederholen und dachte mir, sie soll einmal im Leben ihr Geld selbst verdienen. Da passte für mich nur ein Job: Mit 60 immer noch sexy, modebewusst, ein narzisstischer Charakter … na lest selbst! Arrogant mobbt sie sich weiter durch das Leben, so wie wir sie kennen. Ich habe sie von Mallorca an die Costa Blanca umziehen lassen. Ein Mann musste her, Alejandro, aber einer, den sie nicht haben will, nicht haben kann, doch eine besondere Gestalt, die Parallelstory. Die beiden laufen sich immer wieder über den Weg. In diesem Roman habe ich verschiedene gesellschaftskritische Dinge angesprochen, unter anderem die Differenz zwischen Schein und Sein, die mediale Präsenz, die Heerschar von elektronischen Freunden und versus der Realität, der Einsamkeit.

Sophie aus „Frau mit Grill sucht Mann mit Kohle“ ist ein sehr, sagen wir, eigenwilliger Charakter, den man nicht mögen kann. Wie schaffst du es, einen solchen Charakter authentisch erscheinen zu lassen?

Ich beobachte Menschen und Situationen. In meinem Beruf habe ich mit Menschen gearbeitet, hinzu kommt das private Umfeld. Bevor ich anfange zu schreiben, überlege ich ja, wer sind meine Hauptprotagonisten und was werden sie anstellen. Und so entsteht ein Charakter, ein Aussehen, Berufe, Hobbys, Vorlieben. Erst wenn die Personen klar vor meinem Auge stehen, kann ich sie auf dem Papier entwickeln, sie agieren lassen. Sophies gibt es viele. Schau dich um, dir wird sicher eine einfallen, vielleicht nicht auf dem Luxuslevel. Es geht um das Prinzip. Bei Sophie ist es ihr Narzissmus, Empathielosigkeit, Selbstliebe, sich selbst zu inszenieren als Lebensziel, gewissenlos handeln, manipulativ: ICH! Schon hast du die Figur. Wie sieht sie aus? Im Storyverlauf muss die Person dann glaubhaft nach ihrem Charakter handeln.

Ich habe auf meinem Blog deine beiden Bücher um die schöne, aber schwierige Sophie rezensiert. Dabei erreichte mich ein Kommentar, dass die Sophie auf dem Cover gar nicht zu ihrem Alter passen würde, das im Buch beschrieben wird. Mich würde deine Meinung dazu interessieren.

Wer sieht alt oder jung aus? Schein und Sein. Ich kenne Menschen mit 40, die haben ganz viele Falten und andere haben mit 70 kaum welche. Das ist Genetik. Antifaltencremes helfen darin in der Regel nicht. Das Zweite ist die äußere Optik. Wie kleidest du dich? Wie sieht dein Haarschnitt aus? Wirkst du jugendlich oder hast du eine Oma-Löckchenfrisur in mausgrau, trägst Faltenröcke über das Knie mit hochgeschlossener Bluse und Schleife? Die Schönheitsindustrie ist auch gern behilflich mit Botox und Schnippelei im Gesicht, Fettabsaugen. Ich schaue immer amüsiert auf die fransigen Hälse der älteren Damen mit faltenfreiem Gesicht in Talkshows, bei denen sich kaum die Gesichtszüge bewegen … Sophie ist klein zierlich, trägt Größe 34/36, hat eine knabenhafte Figur. Damit kannst du alles tragen, auch Supermini mit 60. In Teil eins pumpt sie ihre Hühnerbrust mit Silikon auf, lässt eine Schönheitsoperation durchführen und in beiden Teilen wird auf ihre aufgepumpten Lippen hingewiesen, auf ihr Botoxlächeln. Sie geht zwei mal die Woche zum Friseur, hat eine Kosmetikerin, Fußpflege, Nagelpflege, Massage, eine Fitnesstrainerin. Mit irgendetwas muss sie sich ja beschäftigen, neben dem Kauf von Modewaren.

Schau dir manche ältere Schauspielerin an … Und es gibt immer Frauen, die schaffen das mit Niveau, genetisch bedingt. Meine Tante, große Naturlocken, volles Haar, Jeanstyp, sportlich, lustig und aufgeschlossen, kaum eine Falte, wird bald achzig. Die geht oft genug als 60 durch. Und ich kenne Frauen, die werden mit 55 glatt auf 75 geschätzt. Ich finde es heute äußerst schwierig, Menschen altersmäßig abzuschätzen.

Was ist dein persönliches Lieblingsbuch, das du jedem empfehlen würdest?

Ein Lieblingsbuch gibt es nicht, auch keine Lieblingsschriftsteller. Ich hätte eher eine lange Liste zu bieten. Ich finde auch, jedes Alter hat seine Bücher. Bestimmte Bücher, die ich mit 20 gut fand, würde ich heute nicht mehr lesen, so geht es mir auch mit Filmen. Allgemein etwas zu empfehlen, wird auch schwierig, jeder hat einen anderen Geschmack.

Machen wir es so, vier Bücher haben mich persönlich in diesem Jahr sehr begeistert. Das ist »Augustus« von John Willams (Der wurde leider jetzt erst entdeckt, ist längst verstorben, hat nur drei Bücher geschrieben. Die anderen beiden haben mich letztes Jahr völlig hingerissen.) »Nach einer wahren Geschichte« von Delphine de Vigan hat mich verzaubert, ein Psychospiel. »Schwarze Seelen« von Gioacchino Criaco, die Geschichte der Ndrangheta, wie die kalabresische Mafia genannt wird. Und zuletzt »Faunenschnitt« von Joshua groß und Hanna Gebauer, literarisch klasse, von der Aufmachung verrückt, als meine Empfehlung. Und einen Roman lege ich noch drauf, denn ich habe gerade vorgestern »Meine geniale Freundin« von Elsa Ferrante bezaubert beendet, freue mich auf die nächsten Teile.

„Zenissimos Jagd“ und „Frau mit Grill sucht Mann mit Kohle“ sind ziemlich unterschiedliche Bücher. In welchem Genre schreibst du am Liebsten?

So unterschiedlich sind die Bücher nicht. Klar, eins ist Satire, das andere ein Thriller. Eins haben alle meine Bücher gemeinsam: Gesellschaftskritik. Angefangen von »Ch@tlove« bis hin zu »Frau mit Grill – Königin der Costa Blanca«, ich suche mir immer gesellschaftliche Themen und ich bin stets ein wenig technikaffin, humoristische Züge findet man in jedem Thriller von mir. Insofern bleibe ich mir immer treu.

Was wünscht du dir für die Zukunft?

Dinge, die sich nie erfüllen werden, frei nach Brecht »und weil der Mensch ein Mensch ist«. Ich wünsche mir eine friedvolle Welt, in der alle Menschen genug zu essen haben. Und ich wünsche mir etwas, dass immerhin im Bereich der Realität liegt, auch wenn ich es vielleicht nicht mehr erleben werde, ein vereintes Europa, eine europäische Union, die an einem Strang zieht.

Vielen lieben Dank nochmals an Sabine Ibing.
Wer mehr wissen möchte, kann die Internetseite der Autorin besuchen.

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2 Gedanken zu “Interview mit Sabine Ibing

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