[Gedanken] Unverbindlichkeiten

Nachdem ich meinem letzten Blogeintrag [Gedanken] Du bist der Durchschnitt der fünf Menschen, mit denen du am meisten Zeit verbringst aus dieser Kategorie auf meinem privaten Facebook-Account (haha, kann Facebook jemals privat sein?!) geteilt hatte, erreichten mich einige widersprüchliche Nachrichten.
Einige fanden den Artikel gut, andere haben mich mehr oder weniger freundlich darauf hingewiesen, dass dort die wissenschaftlichen Belege fehlen würden. Kurz habe ich darüber nachgedacht, ob ich die wirklich brauche und bin zu dem Ergebnis gekommen – nein, das hier ist keine wissenschaftliche Arbeit, sondern mein Privatvergnügen. Da muss nicht alles mit Quellenangaben gepflastert sein. Wem das nicht gefällt, der muss meine Beiträge ja nicht lesen. Punkt.

Aber kommen wir lieber zum eigentlichen Thema:

Gestern habe ich mir ein Beitrag angesehen, in dem jemand das Thema Unverbindlichkeit beim Poetry Slam thematisiert hat. Auf sehr witzige und auch etwas charmante Weise stellt er dar, wieso wir aufhören sollten, immer verbindlich unverbindlich zu sein.
Traurigerweise habe ich mich darin widererkannt. Die letzten Jahre war ich viel damit beschäftigt, möglichst unabhängig und unverbindlich zu bleiben. Es ging soweit, dass ich Männern abgesagt habe, wenn sie einen Kaffee trinken wollten, weil ich dann mir und denen Zeit und Ausreden erspare… Ja, das klingt sicherlich etwas lächerlich und ein Stück weit auch traurig. Inzwischen bin ich darüber aber auch hinweg.

Woher kam aber die unbegründete Angst, sich auf etwas einzulassen, das man eventuell später gar nicht mehr haben will?
Selbst das kann ich lang und breit soziologisch erklären*, wenn ich das denn wollen würde. Es gibt eine tolle Theorie darüber, wie sich unser Leben in den letzten Jahrzehnten beschleunigt hat und wie austauschbar alles ist. Und mit „alles“ meine ich wirklich alles. Man kann sich ebenso schnell ein neues Auto kaufen wie auch eine neue Beziehung eingehen, sofern man die nötigen finanziellen und/oder sozialen Beziehungen hat. Aber theoretisch ist es möglich. Das wirkt sich natürlich auf die Menschen aus, die sich immer fragen müssen, ob das jetzt gerade wirklich das Beste ist oder ob es nicht irgendwo ein besseres Modell gibt. Es soll weniger hart und objektivierend klingen als es das nun tatsächlich tut.

Inzwischen denke ich eher, wie glücklich ich mich schätzen kann, dass bestimmte Menschen in meinem Leben schon so lange dabei sind. Obwohl ich eine Nervensäge bin. Obwohl ich viele Fehler mache. Obwohl ich hier bei uns zu Hause gerne einen Streichelzoo einrichten möchte, weil ich Tiere mehr mag als Menschen.
Wodurch kam der Wandel? Ganz einfach, ich habe einige sehr tolle Menschen getroffen, die mir nach so kurzer Zeit schon so ans Herz gewachsen waren, dass ich gar keine Zeit hatte, mich dagegen zu wehren. Mir fallen momentan drei Menschen ein, die ich mir auch für 2017 in meinem Leben wünsche. Neben meinen Freunden, die ich auch vor 2016 schon kannte. Manchmal versuche ich noch, meine Freude und Dankbarkeit in Worte zu fassen, aber vielleicht belasse ich es an dieser Stelle einfach bei einem „Danke, dass es euch gibt!“.

Und hey, vielleicht sollte ich demnächst auch mal einen Beitrag über mich schreiben, der mich in ein etwas positiveres Licht rückt. 😉

Liebe Grüße
Ela

*Wer sich nun ersnthaft mit einer interessanten soziologischen Theorie auseinandersetzen möchte, dem empfehle ich Beschleunigung. Die Veränderung der Zeitstrukturen in der Moderne von Hartmut Rosa. Anders als viele soziologische Texte ist dieser auch relativ gut zu lesen und nicht allzu sperrig. Somit habe ich immerhin sogar noch eine Buchempfehlung eingearbeitet.

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14 Gedanken zu “[Gedanken] Unverbindlichkeiten

  1. „Das wirkt sich natürlich auf die Menschen aus, die sich immer fragen müssen, ob das jetzt gerade wirklich das Beste ist oder ob es nicht irgendwo ein besseres Modell gibt.“

    Das kann ich als veritabler Entscheidungsneurotiker absolut bestätigen. Sobald man mir im Restaurant eine Speisekarte in die Hand drückt, gerate ich ins Rotieren. 🙂

    „Und hey, vielleicht sollte ich demnächst auch mal einen Beitrag über mich schreiben, der mich in ein etwas positiveres Licht rückt.“

    Also, ich finde, wenn man eingesteht, eine Nervensäge zu sein, rückt einen das in ein sehr viel positiveres Licht als eine ultimative Lobhudelei und Selbtbeweihräucherung das jemals könnten. 😉

    Gefällt 2 Personen

    • „Entscheidungsneurotiker“ finde ich ein tolles Wort! Schlimmer als Restaurantbesuche ist nur die Frage „Was möchtest du heute essen?“. Dann gibt es nicht einmal mehr eine Liste, sondern man könnte alles vorschlagen.

      So was liest man auch nicht häufig. Viele sind eher abgeschreckt, wenn man sich selbst als Nervensäge bezeichnet. Immerhin geht es nicht Hand in Hand mit einem hohen Grad an Empfindlichkeit. Wenn mir jemand sagt, dass ich die Klappe haöten soll, ist das vollkommen okay. 😀

      Gefällt 1 Person

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