Ursula Poznanski – Saeculum

Fünf Tage in einem Wald, fernab der Zivilisation. Handys und andere moderne Gegenstände sind nicht erlaubt. Was für manche Menschen nun schon nach einem Hororfilm klingt, ist für andere das Jahreshighlight. Bastian lässt sich auf das Abenteuer Live-Rollenspiel ein, wenn auch einzig wegen seiner neuen Freundin Sandra.
Schon ohne Komplikationen wäre für ihn alles neu und aufregend gewesen, doch als der Spielort gelüftet wird, beginnt das Chaos. Eine Mitspielerin ist fest davon überzeugt, dass der Ort verflucht ist und möchte die anderen davon überzeugen, nicht zu fahren. Was zunächst als harmlose Spinnerei abgetan wird, wird nach und nach immer wahrscheinlicher. Rätselhafte Ereignisse geschehen, Mitspieler verschwinden oder verletzten sich. Innerhalb kürzester Zeit wird die Gruselgeschichte zu einem echten Überlebenskampf für die Gruppe.
Ursula Poznanski ist mir natürlich bekannt, allerdings wäre mir „Saeculum“ wohl nicht in die Hände gefallen, wenn mein Freund mit das Buch nicht in die Hände gedrückt hätte. Blöd für ihn, dass meine Rezi nun so lange auf sich warten ließ. 😀

Live-Rollenspiele sind sicherlich eine sehr interessante Sache, wobei ich wahrscheinlich die Pen&Paper-Varianten vorziehe. Vielleicht hänge ich doch zu sehr an den modernen Gegenständen, die uns das Leben erleichtern. Immerhin ist bei diesem Rollenspiel nicht mal eine Brille erlaubt. Für Bastian ist das natürlich nicht besonders einfach, schließlich ist er im Alltag darauf angewiesen. Trotzdem versucht er, das Beste aus der Situation zu machen. Erschwert wird es allerdings dadurch, dass seine Freundin Sandra sich seltsam benimmt seit sie im Wald angekommen sind und auch andere Gruppenmitglieder scheinen ihre Geheimnisse zu haben.

Der Aufbau der Geschichte hat mir sehr gut gefallen. Wer sich nicht mit Live-Rollenspielen auskennt, bekommt am Anfang eine kleine Einführung geliefert. Hierbei werden auch die einzelnen Charaktere, auf denen der Fokus liegt, vorgestellt.
Nachdem die Gruppe im Wald angekommen ist, ist schon spürbar, dass die Geschichte eine dramatische Wendung nehmen wird. Ursula Poznanski versteht sich wirklich darauf, Spannung zu erzeugen und auch angemessen zu transportieren. Gut gefallen hat mir, dass anfangs noch auf die gespielten Charaktere eingegangen wird. Zeitlich gesehen bewegen die Rollenspieler sich im 14. Jahrhundert und Bastian spielt beispielsweise Tomen, einen Heiler. Die Regeln sehen vor, dass nicht nur moderne Gegenstände verboten sind, sondern auch eine angemessene Sprache verwendet wird. Dies ist manches Mal recht lustig, vor allem da es stellenweise einfach nicht authentisch wirkt.
Auch die unterschiedlichen Charaktere wurden gut dargestellt. Vor allem die Entwicklung von Bastian und Iris, eines der Gruppenmitglieder und zweite Protagonistin, hat mir gut gefallen. Letztere fand ich am Anfang ganz schrecklich, nach und nach wurde sie aber zu einer richtigen Sympathieträgerin.

Gestört hat mich einzig, dass hier die Geschichten zweier Charaktere miteinander verwoben wurden, die aus meiner Sicht etwas zu unterschiedlich sind, um zusammenzukommen. Dass ausgerechnet die Fixpunkte aus der Vergangenheit beider hier zusammenlaufen, fand ich zu konstruiert. Die Autorin hat aus meiner Sicht keine schlechte Arbeit geleistet, um eine plausible und nachvollziehbare Antwort darauf zu liefern, mich hat das allerdings nicht vollständig überzeugen können.
Trotzdem handelt es sich um ein interessantes, gelungenes Buch. Mir hat das Lesen sehr viel Spaß gemacht.

dsci1648

Ursula Poznanski – Saeculum (Loewe)

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12 Gedanken zu “Ursula Poznanski – Saeculum

  1. Huhu!
    Das Buch klingt sehr interessant – ich bin schon ein paar mal darum geschlichen, aber jetzt hab ich es definitiv auf meine Wunschliste gesetzt.
    Für mich wäre das allerdings nur teilweise was – 5 Tage ohne Handy, TV und Internet? Bin ich sofort dabei, dass schaffe ich locker – vor allem, wenn all die Geräte nicht in Greifweite sind. Auf dem Jakobsweg hab ich 5 Wochen auf all das verzichtet und ich habe es NICHT vermisst. Wirklich nicht.
    Allerdings ginge mir der Verzicht auf Brille und Co zuweit, da ich dann nicht nur einen Hasen von einem Fuchs nicht unterscheiden könnte, sondern auch nicht hören würde, wenn ein Tier (oder Mensch) in meiner Nähe wäre – da lob ich mir die fortgeschrittene Zivilisation und die Entwicklung der Technik.

    Liebe Grüße,
    Linda

    Gefällt 1 Person

    • Hey 🙂

      Wahrscheinlich gewöhnt man sich auch schnell dran, wenn man so etwas wie kein Internet oder Handy mal eine Weile nicht hat.
      Brillen und ähnliches sind da schwer bzw. gar nicht zu ersetzen. Da kann ich dich gut verstehen. Das würde ich auch nicht machen wollen.

      Liebe Grüße
      Ela

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